Die Zukunft des Bloggens gehört den Fachblogs

von Marius am 26. November 2009 · 1 Kommentar

In IT Jahren gerechnet war es ein langer Weg von den persönlichen Webtagebüchern zu den heutigen Fachblogs.
Fachblogs sind Blogs, die sich auf ein spezielles Thema konzentrieren. Ein Thema bei dem sich die Autoren gut auskennen, ein Thema welches sie unermüdlich beackern und analysieren. Wenn sie ihr Themengebiet intensiv verfolgen, haben Fachblogs eine Menge zu berichten. Neuste Entwicklungen, Nachrichten, neue Produkte, neue Wege, neue Trends, Tipps, Tutorials, und immer wieder der Rückgriff auf schon vorhandenes Wissen und die wertvolle Diskussion mit den Lesern.

Im Internet sind gut geführte Fachblogs die Anlaufstelle, um sich über das gewählte Thema umfassend zu informieren.
Fachblogs haben selbstverständlich einen weiteren Vorsprung, vor den themenunspezifischen Blogs, sie lassen sich wunderbar vermarkten. Durch die Festlegung auf ein ganz bestimmtes Thema finden Fachblogs leicht zielgruppenrelevante Werbung, welche nicht nur als Einnahmequelle verstanden werden muss, sondern den Lesern dieser Fachblogs auch noch interessante Angebote zum Thema, weiterführende Informationen, und somit einen Mehrwert vermitteln kann.

Autoren gut geführter Fachblogs positionieren sich in ihrem Themengebiet mitunter bis an die Pole Position ihres Segmentes.
Dies führt nicht nur zu erhöhter Aufmerksam- und Glaubwürdigkeit, sondern verschafft diesen Fachleuten nicht selten Jobs außerhalb des Internets. Ob als Redner bei Konferenzen, ob als Berater oder als Autor von Gastartikeln für Fachzeitschriften, vieles ist möglich, wenn man sich erst mal gut positioniert hat.

Ich selber lese unglaublich gerne Fachblogs und falls mich mal jemand fragen würde, welches der beste Anwendungsfall für Blogs ist, dann würde ich sagen: Fachblogs. Zum Vergleich, früher wäre die Antwort “persönliche Tagebücher” gewesen. Hier hat sich also in meiner Wahrnehmung etwas grundlegend verändert.

Je nach Themengebiet würde ich sogar sagen, dass längerfristig nur Fachblogs in der Lage sein werden, erfolgreiche Blogs im Sinne von Leserzahlen, Diskussionen, Fachpublikum und Vermarktung zu führen. Und das ist nur der Erfolg, der im Internet entsteht. Der Erfolg, den man in solchen Fällen haben kann um sich abseits des Internets als Fachfrau oder Fachmann zu etablieren, ist ohnehin unbezahlbar und kann ziemlich fest verschlossene Türen öffnen.

In der englischsprachigen Blogosphäre sehen wir das viel öfter als in der deutschsprachigen, dort gibt es eine Menge Fachleute, die sich über ihre Blogs etabliert haben. Natürlich ist es aufgrund der Sprache dort viel leichter, da man mit seinen Artikeln weltweit ganz einfach sehr viel mehr Menschen erreichen kann. Andererseits ist natürlich auch die Konkurrenz größer, auch das merkt man immer mehr.
Für den Leser und Konsument solcher Fachblogs ist das natürlich eher ein Vorteil als ein Nachteil. Wobei man solche Konkurrenz auch für den jeweiligen Betreiber nicht als Nachteil sehen sollte, denn auch hier belebt Konkurrenz das Geschäft. Jeder profitiert von dem Wissen des anderen, man kann sich zusammenschließen, kann untereinander Gastartikel austauschen, man kann sich schlicht und einfach ordentlich vernetzen.

Ich lese weiß Gott nicht ausschließlich Fachblogs, aber mit Sascha Pallenberg von Netbooknews (ja, ihn habe ich erst kürzlich erwähnt, aber er genießt eben meinen vollen Respekt) und Carsten Knobloch von stadt-bremerhaven.de fallen mir spontan zwei sehr gut geführte Fachblogs ein. Besonders Carsten zeigt mit seinem mittlerweile auf Software und Softwaretipps spezialisierten Blog, dass man allen SEO Unkenrufen zum Trotz (ey Alter, du musst die Keywords in den Domainnamen packen), auch mit einem zum Thema überhaupt nicht passenden Namen großen Erfolg haben kann. So etwas gefällt mir. Kai von Stylespion ist ein weiteres Blog, das man in diesem Zusammenhang nennen muss, auch er betreibt ein tolles Fachblog über die schönen Dinge des Lebens. Und hat damit Erfolg.
Weiterhin haben wir die vielen tollen Blogs, die sich ausschließlich mit Musik beschäftigen, auch das sind Fachblogs. Zum Thema Musikblogs habe ich kürzlich eine Artikelserie gestartet, die ich unbedingt bald weiter führen muss.
Dann gibt es natürlich noch die sehr technischen und hoch spezialisierten Fachblogs, die ich aus beruflichen Gründen verfolge, und in welchen es um Umgebungen geht, die man privat nicht kennt und auch nicht benötigt. Diese Fachblogs haben je nach Thema meist weniger Leser, aber sie beinhalten sehr wertvolle Inhalte. Alle diese Autoren sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und sind in der Lage dieses Wissen zu teilen. Und das Beste was man heutzutage mit Wissen tun kann, ist, dieses Wissen zu teilen.

Wenn Fachblogs doch so toll sind, warum führe ich dann nicht selber ein Fachblog?

Diese Frage habe ich mir kürzlich auch gestellt. Ich habe hier auf dieser Domain schon so einiges angestellt. Zuerst war maingold ein Musikmagazin für Alternative Rockmusik aus Frankfurt am Main und Umgebung. Irgendwann machte das für nebenbei aber zuviel Arbeit, und da ich jemand bin, der hohe Ansprüche an sich selber hat (wobei ich mittlerweile eingesehen habe, dass so etwas eher hinderlich als förderlich ist, und Kontinuität und Leidenschaft die weitaus besseren Eigenschaften sind), habe ich die Arbeit an diesem Magazin nach einiger Zeit eingestellt. Trotzdem freue ich mich immer noch über den tollen “Maingold Rockmilieu Volume One” Sampler, den wir damals aufwendig produziert haben, er ist auch heute noch ein kleines Schmuckstück.

Danach passierte eine ganze Weile nichts, bevor ich dann angefangen habe mit Blogs zu experimentieren. Texte, Audio, Video, von keiner dieser Möglichkeiten konnte ich die Finger lassen. Meine Blogs habe ich dann einige male wieder gelöscht und wieder neu angefangen, da sie mir alle auf Dauer aus verschiedenen Gründen nicht mehr gefallen haben. Im Nachhinein betrachtet, sehe ich das gelegentlich als Fehler, denn ich habe jedes Mal für mich wertvolle Inhalte verloren. Ein komplettes Archiv aller meiner Blogartikel vermisse ich zudem. Aber es war immer meine eigene Entscheidung.

In letzter Zeit passierte hier nicht mehr besonders viel. Ich hatte mal wieder ein wenig die Lust verloren und so gründete ich aucf einer anderen Domain spontan eine Art Fachblog, welches sich hauptsächlich mit Themen beschäftigen sollte, mit denen ich mich entweder beruflich oder privat beschäftige, und von denen ich mir einbildete, mich damit ganz gut auszukennen.

Seit je her bin ich in der IT beschäftigt, also lag es nahe mich mit Themen rund um IT, aber auch Social Media, Internet und Netzdiensten zu beschäftigen.
Die Begeisterung für dieses neue Blog hielt nicht sehr lange an, um genau zu sein eine Woche. Das lag gar nicht mal an den gewählten Themen, natürlich war und bin ich an diesen Themen stark interessiert und engagiert, aber mein Herz fing an zu schmerzen als ich realisieren musste, dass ich für ein solches Blog meine heiß geliebte Domain maingold.com vernachlässigen, wahrscheinlich sogar brach liegen lassen müsste.
Maingold ist mein digitales Baby, ich habe diese Domain schon seit 7 Jahren und insbesondere in Frankfurt bringen mich noch so einige Menschen mit diesem Namen in Verbindung. Diese Domain hat für mich quasi so etwas wie eine Tradition, und ich möchte auf sie nicht verzichten. Außerdem hat mir der Gedanke, nur über ganz bestimmte Themen schreiben zu dürfen, plötzlich nicht mehr gefallen.

Klar, ich hätte es machen können wie einige andere, ich hätte 2 Blogs parallel betreiben können. Die Wahrheit ist aber, dass ich das nicht geschafft hätte. Betreibt man ein Blog neben dem Job und dem Privatleben, bleibt ganz einfach nicht die nötige Zeit und Energie übrig, um noch ein weiteres regelmäßig und zuverlässig mit Inhalten zu befüllen, zumindest ist dies bei mir so. Ich bewundere alle Blogger zutiefst, die das können, ich kann es zurzeit nicht. So etwas muss man sich eingestehen.

Also löschte ich aus meinem neuen so called Fachblog einige Artikel und importierte die übrig geblieben hierher.
Jetzt stehe ich wieder dort, wo ich schon einmal stand und frage mich, ob ich dieses Blog in irgendeiner Weise an ein oder zwei bestimmte Themen binden soll.
Aber wahrscheinlich wird das nicht geschehen. Viel zu gerne schreibe ich mal über dies und jenes, beobachte die so vielseitige Blogosphäre und hätte dann vielleicht ein schlechtes Gewissen meinen Leser gegenüber, wenn ich sie plötzlich mit sehr technischen Artikel zum Thema „Lotus Domino Troubleshooting beim AdminP Prozess“ langweilen würde.

So wie ich es zurzeit sehe, werde ich hier mit einer recht bunten Mischung aus verschiedenen Themen weiter machen. Das kann mal etwas zum Thema Blogs sein, neue Dienste, Social Media (auch wenn ich diesen Begriff so langsam nicht mehr hören kann), natürlich Musik, lokales aus Frankfurt, vielleicht gelegentlich ein HowTo, oder eben völlig private Geschichten und Gedanken, die ich einfach gerne aufschreibe.

Wenn man sein Blog auf diese Art und Weise betreibt, dann fällt natürlich auch das Thema Vermarktung schwer. Das ist schade, denn es macht mir grundsätzlich Spaß, ein bestimmtes Thema nach vorne zu treiben, mich damit intensiv zu beschäftigen und eine kleine Welt, auch eine kleine Vermarktungswelt, darum aufzubauen.
Ich hätte mit einem Fachblog gerne ausgelotet, wie weit ich mich hätte spezialisieren können, ich hätte mich gerne mit anderen Fachblogs aus ähnlichen Themenbereiche vernetzt und ausgetauscht, ich hätte gerne herausgefunden, welche Formen der Vermarktung für dieses Thema zur Verfügung gestanden hätten, ich hätte sehr gerne mal Direktvermarktung versucht, und vor allem hätte ich mich auf einen ständigen Austausch und Dialog mit meinem Fachpublikum sehr gefreut.

Ich glaube Fachblogs machen eine Menge Spaß, besonders wenn man das Fachgebiet ziemlich weit herunter brechen kann.

Wer weiß wie das Leben so spielt, vielleicht unternehme ich irgendwann noch einmal einen zweiten Versuch zu diesem Thema. Die technischen Möglichkeiten sind jederzeit vorhanden und laufen nicht weg. Bis dahin bleibe ich den Fachblogs auf jeden Fall als Leser treu, und denke, dass die Zukunft des professionellen Bloggens den Fachblogs gehört.

Dass dies jedoch nicht als Wertung gegenüber Blogs verstanden werden soll, dürfte klar sein. Dies hier ist kein Fachblog und 80% meiner abonnierten Blogs sind es auch nicht.

Weitere Informationen:

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