Christian, selbst PR Berater, hat einen schönen Artikel darüber geschrieben, wieso er Twitter gerade nicht so mag. Im Prinzip schreibt Christian, dass PR Menschen zuhauf in die kleine Welt des blauen Vögelchens einfallen, um dort mit ihren ach so typischem PR Nettigkeiten und Attitüden vor allem an ihrer eigenen Reputation zu arbeiten.
Dies kann ich durchaus nachvollziehen, da es mir zum Teil sehr ähnlich mit dieser PR Spezies ergeht.
Natürlich, und auch das lässt Christian nicht unerwähnt, könnte man nun wunderbar argumentieren, dass man solchen Personen doch einfach nicht mehr folgen bräuchte, somit wäre diese Angelegenheit zu den Timeline Akten gelegt. Das ist allerdings nicht ganz richtig, die Welt ist etwas komplizierter.
Klar, ich muss im Sommer nicht in den 200 Meter entfernten Park gehen, in dem gerade eine massive Mückenplage herrscht. Beschweren darf ich mich darüber aber trotzdem, denn ein paar dieser Mücken schaffen es immer wieder in mein Wohnzimmer, und auch wenn ich das Haus verlasse, schwirren die abenteuerlustigsten unter diesen Blutsauger um mich herum und versuchen Kontakt aufzunehmen. Und warum in Gottes Namen, soll ich mir von diesen Viechern überhaupt meinen schönen, schattigen Park vermiesen lassen?
Komplett ausblenden kann ich sie also nicht, was noch viel mehr für ihr ärgerliches Verhalten gilt.
Ähnlich verhält es sich mit Twitter. Mit diesem Dienst gibt es einen quasi-öffentlichen Platz, auf dem Menschen im Sekundentakt kommunizieren. Solche Plätze sind für einige spezielle PR Menschen etwas ähnliches, was der Park im Sommer für die Mücken ist, um bei diesem leider etwas hinkenden Vergleich zu bleiben.
Ja, ich weiß. Ihr PR Menschen seit stets überfreundlich, Bitte, Danke. Ihr habt extrasmarte Porträtbildchen in euerm Profil. Eure Kunden sind die besten (falls ihr nicht nur welche sucht, sondern auch welche habt). Ihr arbeitet viel und lange, aber vor allem gerne. Tägliche Produktivität lasst ihr nicht unerwähnt. Nur ihr alleine wisst, wie man in der heutigen Zeit am besten kommuniziert. Ihr habt zu jedem neuen Dienst bereits wenige Minuten nach einer geschlossenen Beta Invite eine Meinung. Ihr benutzt gerne Empfehlungsdienste um euch gegenseitig zu empfehlen. Ihr schlagt gerne Hashtags vor. Ihr bestimmt gerne die Regeln der Kommunikation. Ihr veröffentlicht gerne Social Media Statistiken. Es gibt keinen Web 2.0 Dienst, an dem ihr nicht angemeldet seid. Ihr kennt die besten Business Apps für mobile Endgeräte. Ihr legt großen Wert auf die Anzahl eurer Follower. Ihr erwähnt gerne euer Apple Equipment. Ihr besucht gerne Starbucks. Noch lieber besucht ihr Konferenzen, und noch viel lieber erzählt ihr, dass ihr Konferenzen besucht. Ihr seid liberal und weltoffen und ihr wählt gerne FDP.
Es gibt auf diesem verdammten Planeten keine anderen Menschen, die den mittlerweile verhassten Begriff „Social Media“ öfter in den Mund nehmen wie ihr. Ihr alleine wisst wie Twitter, Facebook und andere Dienste funktionieren, und für was man sie benutzen kann. Ihr fahrt gerne Bahn und berichtet ausführlich über eure Reisen und eventuelle Verspätungen. Wenn ihr nicht die Bahn bemüht, dann reist ihr gerne per Flugzeug und twitpict Bilder von Tragflächen und Landebahnen. Im Großen und Ganzen seid ihr ganz einfach die Allertollsten, ich habe eure Message verstanden. Nur, ihr langweilt mich zu Tode.
Obwohl ich Twitter in letzter Zeit nicht mehr so häufig nutze, werde ich dem obigen entsprechend meine Timeline ein wenig ausdünnen müssen. Es ist nicht so, dass ich grundsätzlich niemals mehr einem PR Berater folgen würde, denn es gibt durchaus welche, denen ich gelegentlich gerne zuhöre. Aber wenn ihr euch fast unisono nach dem irgendwo in euren Schubladen liegendem Twitter Guide für PR Berater verhaltet, wird es eben auf Dauer eklig langweilig mit euch. Die nächste Generation von Beratern, wird dann jene sein, die PR Berater berät, wie sie öffentlich PR beraten sollen. Aus den Beratern von heute, werden dann vielleicht zu beratende von morgen.
Das Gehege der Erklärbären ist schon ziemlich ausgebucht, es könnte also sein, dass der Zoo mangels Artenvielfalt auf Dauer einen Besucherschwund erleiden muss.
Weitere Informationen:
Verwandte Artikel:


{ 2 Trackbacks }
{ 9 Kommentare… lies sie unten oder schreib selbst einen }
völlig unabhängig vom Inhalt dieses Textes: Ich hab’ darin so viele Rechtschreibfehler gefunden, daß sich mit der Ausbesserung derselben locker € 10,- verdienen ließen. :)
Sofern Interesse besteht: Email wurde hinterlassen! :)
Man möcht’ ja auch mal was verdienen mit dem Lesen von so Blogs… :D ;)
AntwortenWo haben Sie denn all diese wunderbaren Klischees her?
AntwortenHa! Das mit der FDP stimmt nicht!
Antworten@BikeArea: Ah, die Orthographie Polizei. Da hast du etwas falsch verstanden, nicht mit dem Lesen sondern mit dem Schreiben von Blogs soll man doch Geld verdienen können.
Antworten@Markus Pirchner: Von Twitter.
@Thilo: Mist, erwischt.
Hm, ich bin kein SocialMedia- oder PR- oder sowieso Berater
(okay, ich berate, aber das hat hat mit Twitter nix zu tun :-))
Äh, aber.. ich Twitpice ab und an ein Bild von einer Tragfläche und jammer in der Bahn über Verspätungen. Ich fahr Ubahn oder sitz am Schreibtisch und ich twittere darüber.
Finde das auch nicht wirklich schlimm. das belebt – auch von anderen – meine Timeline. (und wenn ich in ner Bio “Coach” oder “Entrepreneur” oder “Web 2.0 Berater” lese, grübel ich seeehr lange, ob ich den als Follower zulasse, oder gar selbst folge).
Aber es gibt ein bis drei wirklich nette Social Media-Berater. Echt. :-)
AntwortenIch wollte einfach nur mal Danke sagen: DANKE :)
AntwortenHaha, sehr geiler Beitrag. Diese Schablonen treffen oft zu ;)
AntwortenVor allem die vielen RTs und wenig eigener – persönlicher – Inhalt bei der Gruppe geht mir tierisch aufn Sack.
Markets are conversations? Yeah, right…
AntwortenHahaha! Marius, klasse Artikel! Du treibst es so richtig schön auf die Spitze und hältst “uns” den Spiegel vor :-) Ich gebe zu, mich in den Ausführungen zum Teil wiedergefunden zu haben. Werde ab sofort mehr drauf achten und etwas mehr anti sein :-D
Antworten