Okay. Helene Hegemann hat in minderjährigem Zustand ihren ersten Roman namens “Axolotl Roadkill” geschrieben, der fast alle Literaturkritiker in hysterische Jubelstürme ausbrechen lies. Warum das so ist, also warum die Kritiker ob ihrer Buches unisono feucht im Höschen wurden, kann ich nicht sagen, denn “Axolotl Roadkill” ist weniger ein guter Roman, sondern viel mehr eine wirre Aneinanderreihung von möglichst trashigen und surrealen Gesprächsfetzen, die hier und da Worte wie Arschficken, Pisse, Sperma und diverse Drogenbegriffe enthalten.
Schaut und hört man sich Helene Hegemann auf Bildern und in Interviews so an, kommt man jedoch sehr schnell zu der Vermutung, dass weder die geschilderten Literaturskandalbegriffe noch ausgiebiger Drogenkonsum zu ihren bevorzugten Hobbys gehören. Vielmehr wähnt man ein altklug, leicht teenagerspeckig und pseudointellektuell wirkendes Mädchen ohne Frisur vor sich, das in der von 18:00 bis 21:00 Uhr stattfindenden Disko der Tanzschule immer noch vergeblich darauf wartet, von einem pickligen Jüngling zum tanzen aufgefordert zu werden.
Woher nimmt Helene Hegemann also ihre in Romanform gepresste Lebenserfahrung viele dieser in ihrem Roman geschilderten Begebenheiten? Die Antwort, das ist nach vielen Artikeln über die Plagiatsvorwürfe mittlerweile klar, ist, sie nimmt sie einfach von anderen Autoren. Ohne Quellenangaben und ohne Kenntlichmachung der teilweise übernommenen Textpassagen.
Wenn man der aktuellen Berichterstattung Glauben schenken darf, dann nimmt Helene Hegemann es mit der Wahrheit auch nicht so ganz genau. Denn angeblich behauptete Hegemann, das Buch, aus welchem viele der Ideen und Textpassagen zu ihrem Roman stammen, nie gelesen zu haben. Der Verlag dieses Buches soll aber angeblich eine Quittung vorweisen können, aus der hervorgeht, dass Hegemanns Vater ihr genau dieses Buch, die Rede ist vom Buch “Strobo” von Airen, per Amazon Marketplace an ihre Adresse hat schicken lassen.
Nun gut, ich habe auch einige Bücher zu Hause, die ich bisher noch nicht gelesen habe, trotzdem würde ich nicht behaupten, dass ich diese Bücher nicht kenne, zumindest nicht in einem solchen Zusammenhang, mit den vorliegenden Vorwürfen.
Das “Literaturwunderkind” Hegemann ist also in den berühmten Brunnen gefallen, ihr Buch “Axolotl Roadkill” des Plagiatismus bezichtigt. Und was macht ihr Herausgeber, der Ullstein Verlag? Dieser Verlag bedauert mal kurz, die bisher fehlenden Rechte an den fremden Textteilen von “Axolotl Roadkill”, holt diese Abdruckrechte schnell nebenbei ein, und dankt allen Rechteinhabern für die nachträglichen Abdruckgenehmigungen. Dies jedoch nicht ohne gleich hinterher zu schieben, dass es inakzeptabel wäre, „deshalb“ den gesamten Roman unter Generalverdacht zu stellen und seinen literarischen Wert zu bestreiten. Mund abwischen, weiter essen, das soll es dann gewesen sein. Ein Zugpferd und potentiell goldenen Esel lässt man wohl nicht so einfach ohne Gegenwehr von der Leine.
Auch die FAZ, die im Fall Hegemann durchaus schon kritischer berichtete, findet nun, dass es schön wäre, jetzt noch mal von vorne anzufangen, und meint damit ganz besonders die bisherigen Kritiker des Hegemann´schen Kopierschriftstellertums.
Der vielzitierte und häufig angeprangerte “rechtsfreie Raum”, der bisher dem bösen Internet zugesprochen wurde, unter anderem auch deshalb, weil dort User fremde Daten auf ihre eigenen Festplatten kopieren, scheint sich nun auf die Verlagswelt auszuweiten. Mit dem großen Unterschied, dass hier keine Sanktionen zu drohen scheinen. Ganz im Gegenteil, es “drohen” Auszeichnungen, Literaturpreise, Ruhm und Geld, anstatt Abmahnungen, Anwaltskosten und zermürbende Gerichtsverhandlungen.
Diese verlogene Debatte ist schwer zu verstehen, besonders dann nicht, wenn man sieht, wie viele Blogger schon wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen kostenpflichtig abgemahnt wurden.
“Liebe Mifti, ich sehe die Sünde in deinem Grinsen, in der Form deines Mundes. Alles was ich will, ist, dich in schrecklichen Schmerzen aufgehen zu sehen”, schreibt die verstorbene Mutter an ihre Tocher Mifti. Und auch dieses dramatische Ende ist lediglich der Text des Songs “Fuck You” von der Band Archive. Fuck You.
Ein Buch kann man nicht so einfach löschen, das ist klar. Der von der FAZ geforderte Neuanfang wäre aber nur dann ein wirklicher Neuanfang, wenn man “Axolotl Roadkill” vom Markt nehmen, und auf alle Auszeichnungen verzichten würde. Helene Hegemann könnte dann sofort ein neues Buch schreiben, vielleicht über die Privilegien eines Teenagers eines berühmten Vaters, oder auch über die Popkultur der Schuldisko. So ganz authentisch, ohne abschreiben zu müssen. Weißt du.



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Diesen Bullshit
(siehe Vorabdruck bei Ullstein)
http://www.ullsteinbuchverlage.de/media/0000461232.pdf
wird man spätestens 2011 für 0,01 EUR + Versand bei ebay bekommen. Der Erfolg dieses „Werkes“ zeigt sehr schön die psychische Verfasstheit der Literaturkritik und der sog. Intellektuellen in diesem Land. Offensichtlich sind diese derart krank, dass sie sich bestens in Axolotl wiedererkennen. ;-)