Ich war mal kurz ein bisschen raus. Virtuell.
Raus aus Buzz, wo sie über Buzz und Social Media sprechen, raus aus Twitter, wo sie über Twitter und Social Media sprechen, und raus aus meinem Blog, wo ich über Blogs gesprochen habe.
Es ist völlig egal, der Schnee schmilzt auch ohne mich, die Timeline füllt sich auch ohne mich, und Blogs werden auch ohne mich weiter geschrieben. Der Frühling steht vor der Tür. Digitales Rauschen verstummt nicht mehr.
Der Long Tail ist ein Weg ohne Ziel, mit nur sehr tiefen Höhepunkten, niemand ist ein Star, die Ellenbogen tun schon weh vom vielen rempeln. Durchhalteparolen um Geld in Taschen fremder Leute zu spülen. Joysticks um uns heimlich zu steuern. Wir merken es nicht. Long Tail.
Die Konditionierung auf Unwichtiges. Massentraining auf das Unwesentliche. Mach mit und sag allen deinen Freunden Bescheid. Schon zufrieden mit Möglichkeiten und der Aussicht auf mehr. Jeder darf mal auf die paradiesische Insel schauen auf der wir alle von Klicks leben, ein Boot bekommen wir nicht. Nur schauen, nicht anfassen. Niemand hat sie jemals betreten. Meistens stochern wir im Nebel.
Wo wir früher gut aussahen, stehen heute Retweets, wo wir früher Gitarre spielten, zeigen wir heute Blip Playlisten. Der Anschlag der Tastatur scheint wie Rock n Roll aus dem Internet, Stars werden hier nicht geboren. Nur arme Würstchen. Irgendwie alle gleich, und die gleicheren definieren sich über einige Klicks mehr. Die Währung hat gewechselt. Mit Klicks muss keiner mehr gut aussehen. Niemand muss mehr cool sein, es reicht so zu tun. Wortführer haben nichts zu sagen. Neidzerfressen hören wir ihnen zu und verlinken pflichtbewusst. Meistens Berlin, manchmal Hamburg, aber nicht so dolle. Tausend Freunde. Niemand der hilft. Keiner ist da.
In meiner Abwesenheit hat sich nicht viel getan, obwohl Tage und Wochen im Internet Jahre und Jahrzehnte sein sollen. Aber die Zeit läuft auch dort nicht schneller, wo sich Menschen hauptsächlich per Tastatur unterhalten, wo man nie alleine ist, und trotzdem einsam sein kann. Wir feiern Echtzeitkommunikation als das nächste große Ding und waren in jedem Kneipengespräch echter in der Zeit.
Wir haben nicht mehr so viel, aber wir verkaufen es gut. Hauptsächlich uns selbst. Ohne Links auf von Anderen erschaffenes wären wir sehr arm. Oft mittellos. Wir sagen nicht so viel, wir zeigen nur noch. Zeigen auf die, die am besten zeigen könne. Sonst nur Smalltalk.
Begrifflichkeiten haben sich verändert, die Klinkenputzer heißen heute Social Media Berater. Sie können Twitter, Facebook, und sogar auch Blogs. Bravo. Nur 3 Klicks mehr und auch du bist dabei. Berater sind wir alle, manche meinen es wirklich ernst. Überzeuge auch du eine arme Seele von der Notwendigkeit des nicht Notwendigen. Neue Branchen brauchen Geld. Freiberufler möchten den Milchkaffee bezahlen.
Der Witz, in Powerpoint Präsentationen bei der Vorstellung der eigenen Person möglichst viele Profile aufzulisten, funktioniert immer noch. Beeindruckend. Für wen? Bald werden wir darüber lachen, manche lachen jetzt schon. Weniger ist mehr. Wird schon wieder.
Wir kommentieren das Fernsehprogramm per Tweets und fragen uns wie es denn überhaupt ohne gegangen sein soll. Im Zweifel besser, so wie immer. Jede Zeit hat ihre Kinder, wir haben Besserwisser. Digitale Eliten wären wir gerne. White Blank Page.



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