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Das ist Flattr

Flattr, das sich wie ein Social Media Netzwerk für Vampire und Fledermäuse anhört, ist in wirklichkeit ein Micropayment Dienst, der dabei hilft Geld zu (ver)teilen.
Allerdings geht Flattr einen ganz anderen, einen eigenen Weg, der sich sehr vielversprechend anhört. Mit Flattr können wir Geld an Personen verteilen, die Dinge machen, die uns gefallen. Das können ganz normale Blogtexte sein, aber auch Videos, Songs, Bilder, Software und mehr.

So funktioniert Flattr:

Nachdem man sich bei Flattr registriert hat (derzeit noch auf Invite Basis), bestimmt man zunächst, wie viel Geld man monatlich verteilen möchte. Dies ist ein fester Betrag, der immer gleich bleibt (solange man ihn nicht selber ändert), egal an wie viel Menschen oder Dinge man Geld verteilt. Zur Auswahl stehen 2, 5, 10 oder 20 Euro monatlich, die man per Paypal an Flattr übermitteln muss.

Geld verteilt man, indem man auf einen speziellen Flattr Button klickt, den sich andere, bei Flattr angemeldete Mitglieder (wie können sie auch Flatterer, Flätterlinge oder Flattrer nennen), auf ihren Inhaltsseiten eingebunden haben. Ich selber bin auch bei Flattr angemeldet, meinen Flattr Button seht ihr am Ende eines jeden Artikels.
Geld kann man also nur verteilen, wenn man selber bei Flattr angemeldet ist und Geld auf seinem Konto hat. Flattr geht davon aus, dass jeder der Inhalte erstellt auch Inhalte konsumiert, und umgekehrt.

Sehr übersichtlich und transparent ist die Tatsache, dass ich nicht mehr Geld bezahlen muss, wenn ich an mehr Menschen Geld verteile. Dazu ein Beispiel: Angenommen ich lade mein Flattr Konto mit 10 Euro im Monat auf. Würde ich nun in diesem Monat nur auf einen einzigen Flattr Button auf einer Website klicken, dann würde dieses Flattr Mitglied die kompletten 10 Euro auf sein Flattr Konto bekommen. Klicke ich in diesem Monat auf 10 Flattr Buttons von 10 unterschiedlichen Flattr Mitgliedern, dann bekommt jedes Mitglied 1 Euro gut geschrieben. Klicke ich auf 100 Flattr Buttons von 100 unterschiedlichen Flattr Mitgliedern, dann würde jedes Flattr Mitglied 0,1, Euro bekommen. Und so weiter.
Will sagen, wenn ich viele Flattr Buttons klicke, dann muss ich keinen höheren Betrag bezahlen, sondern mein im Vorfeld festgelegter Flattr Betrag pro Monat wird lediglich auf mehr Menschen verteilt.

Sollte man im Laufe eines Monats merken, dass man deutlich mehr Gebrauch von Flattr Buttons macht als gedacht, was dann im Umkehrschluss bedeuten würde, dass jeder Klick auf einen Flattr Button weniger Geld an den jeweiligen Flatterer verteilt, dann kann man seinen monatlichen Betrag im Flattr Backend einfach erhöhen.

Wenn ich mich in einem Monat dazu entschließe auf keinen einzigen Flattr Button zu klicken, zum Beispiel weil mir keine Inhalte gefallen haben, oder weil ich Internet Diät mache, dann wird mein monatlicher Betrag einer gemeinnützigen Organisation gespendet.

Wie bereits erwähnt befindet sich Flattr derzeit noch in einer closed Beta Phase, und man kann sich nur per Invite Code bei diesem Dienst anmelden.Ich hoffe jedoch, dass Flattr bald für jeden interessierten offen steht, und sich so viel Menchen wie möglich daran beteiligen. Denn wenn sich Flattr nicht breitflächig durchsetzt, dann bringt es auch nicht viel Nutzen. Ich möchte überall dort flattrn können, wo mir etwas besonders gut gefällt, oder wo ich eine Person unterstützen möchte, damit sie weiterhin das tun kann, was sie tut. Dazu müssen diese Personen Flattr Buttons bereitstellen.

Für die Zukunft sind noch sehr viel mehr Anwendungsszenarien für Flattr denkbar. Immer dann wenn Menschen etwas tun oder etwas geschaffen haben, was anderen Menschen gefällt, sollten diese Menschen ihre Anerkennung durch Flattr zum Ausdruck bringen können. Egal wie (Rechner, Notebook, Smartphone) und egal wo (Website, Konzert, Museum, auf der Straße, usw.).

Ich bin gespannt ob Flattr wirklich die Zukunft des schwierigen Themas “Paid Content” ist.

In folgendem Video wird Flattr noch einmal anschaulich vorgestellt:

This is Flattr


Direktlink

In folgendem Video spricht Peter Sunde, Gründer von Pirate Bay und Flattr auf der re:publica 2010 über Flattr.

Peter Sunde about Flattr Social Micro Donations


Direktlink, via Flattr Blog

Was andere über Flattr schreiben:

Warum Flattr toll werden könnte
Mindestens steinreich mit Quatsch
Ein erster Blick auf Flattr
Flattr: Pirate Bay-Gründer Peter Sunde will Paid Content revolutionieren
Die persönliche Kulturflatrate

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1 Andreas April 28, 2010 um 14:15

Ich konnte mir den Vortrag von Herrn Sunde auf der re:publica ansehen.
- Und ich musste feststellen, dass sich die vorgetragenen moralischen Vorstellungen des Pirate Bay Gründers nicht ganz mit meinen decken …

Das Video sollte man sich unbedingt anschauen. Und dann für sich entscheiden, ob man diesem Mann (bzw. dessen Unternehmen) Geld anvertrauen möchte.

Merkwürdig an flattr fand ich vor allem die völlig gegensätzliche Philosophie zu “Pirate Bay”. Dort wird dem Schöpfer (geistigen-) Eigentums eine Entlohnung abgesprochen und Wege etabliert sich Inhalte auch ohne Zustimmung des Erstellers anzueignen. – Bei “flattr” will man plötzlich – mit nettem sozialen Anstrich – für die Entlohnung genau dieser Gruppe sorgen aber dabei einen ordentlichen Beitrag – nur für die Bereitstellung des Dienstes – selbst einbehalten. Also nicht den Künstlern, Bloggern, etc. direkt zur Verfügung stellen. – Was wieder verdammt nach einem alten Modell zum Beispiel der Plattenindustrie klingt, das man (angeblich) mit Diensten wie Pirate Bay bekämpfen wollte …

Grundsätzlich finde ich die Idee von flattr gut. Aber nicht in diesen Händen. Und nicht, wenn wieder ein recht großer Teil der Gelder an einen Zwischenhändler fließen muss.

Antworten

2 Marius April 28, 2010 um 19:33

@Andreas: Ich kann deine Bedenken zum Teil verstehen.
Aber ich glaube auch, dass du sicherlich schon häufiger Menschen und Unternehmen Geld anvertraut hast, denen du nicht vertraut hast. Wie kann man einem Unternehmen auch vertrauen? Kannst du zum Beispiel den großen anonymen Unternehmen der Musikindustrie vertrauen? Kannst du Apple vertrauen? Microsoft? Oder deinem Supermarkt? Vielleicht deiner Bank oder deiner Versicherung? Ich kann das meistens nicht. Besonders bei Banken kann das wohl niemand mehr, und welche Unternehmen, wenn nicht Banken, waren mal vertrauenswürdiger. Früher.

Aber ich kann es zumindest versuchen und testen, um dann für mich zu entscheiden, ob ich diesem Unternehmen weiterhin vertraue. Oder eben nicht.

Was dein Pirate Bay Vergleich betrifft: Ich glaube nicht, dass dort in jedem Fall gegen die Interessen der „Ersteller“ gehandelt wurde. Will sagen, am Beispiel Musik sicherlich gegen gewisse Rechteinhaber und Plattenfirmen, aber nicht immer gegen die, der Komponisten und Künstler. Von daher ist dein Vergleich nicht ganz richtig, in dem du schreibst, dass man mit Flattr nun für die Entlohnung einer Gruppe sorgen möchte, denen man vorher die Entlohnung abgesprochen hat. Das kann man so pauschal nicht sagen. Außerdem gibt es auch Künstler, die ihre Werke per zum Beispiel Creative Commons frei zugänglich machen. Warum sollte man diesen Künstlern nun nicht per Flattr Geld zukommen lassen, wo man früher stillschweigend deren Werke gedownloaded hat?

Was den Zwischenhändler Flattr betrifft: Ich glaube mich zu erinnern, dass Peter Sunde gesagt hat, dass Flattr 10% der monatlichen Summe einbehält, von 2 Euro also 20 Cent. Er hat aber auch gesagt, dass sie versuchen wollen, diesen Prozentsatz niedriger zu gestalten. Noch ist das ja alles beta und in einer Findungsphase, und es wird sich im Regelbetrieb zeigen, ob sie das können. Das kommt sicherlich auch darauf an, wie viele Menschen dort mitmachen. Weiterhin gibt es Paypal Gebühren, für die Flattr nichts kann.

Also: ich bin dort angemeldet, schaue mir das an, teste diesen Dienst, warte ab und beurteile dann. Aber ich möchte eine so tolle Idee nicht von vornherein abschreiben. Dafür gibt es für mich keinen Grund.

Antworten

3 Lawlita Mai 11, 2010 um 10:59

Flattr hätte das Potenzial, die überkommenen Verwertungsketten zu überwinden.

Jeder Content-Produzent (Ob Musiker, Blogger, Journalist, …) hat heute Schwierigkeiten, seinen Content ohne deren Hilfe zu monetarisieren. Flattr könnte dies ändern – Face2Face, nur Produzent Kosument verteilt man seine finanzielle Anerkennung bei Youtube, in Blogs und Kommentaren…

90% Ausschüttung ist eine Quote, von der man heute als Produzent nur träumen kann – fragt mal einen beliebigen Journalisten wieviel der so für seine Arbeit bekommt.

Die Effizienz würde massiv gesteigert, da überflüssige Zwischenstationen wegfallen, die “Preise” sinken, die persönliche Beziehung zum konsumierten Produkt und zwischen Konsument Produzenz wird enger.

Verlierer sind die Zwischenhändler. Aber das ist Natur und Ziel unseres Wirtschaftssystems.

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