Am 05.06.09 erschien das neue, mittlerweile sechste Placebo Studioalbum namens „Battle For The Sun“. Diese Tatsache, sowie den Start ihrer Tour, nahm die Band zum Anlass um im kleinen Kölner Gloria Theater einen exklusiven Club Gig zu spielen. Karten für dieses Konzert konnte man ausschließlich über den Kölner Radiosender 1Live gewinnen.
Aber keine Regel ohne Ausnahme, die Band um Brian Molko entschloss sich einen Teil der Karten über ihre Website ihren Fans zugänglich zu machen.
So konnten wir durch frühes Aufstehen am Pfingstmontag noch kurzfristig 2 dieser begehrten Tickets für jeweils 25 Euro ergattern. 25 Euro, die sich gelohnt haben.
Das Gloria Theater ist ein kleiner hübscher Laden in der Kölner Innenstadt, der bei ausverkauften Konzerten ca. 900 Personen fasst. Klar, dass dieser Club bis zum letzten Platz gefüllt war, denn die Gelegenheit Brian Molko mit seiner Band Placebo so nah in einem Club zu erleben ergibt sich nicht alle Tage. Für uns war es außerdem noch ein ganz besonderer Tag, denn meine Freundin hatte Geburtstag, und dieser Geburtstag stand vollständig im Zeichen des Rock´n Roll, so passte der Besuch des Placebo Gigs besonders gut.
Als wir nach einigen Kölsch in der Kölner Altstadt am Gloria Theater ankamen, stand der neue Placebo Drummer Steve Forrest mit einigen Fans zum Meet and Greet mitten auf der Straße vor dem schwarzen Tourbus. Daran merkte man schon, dass man Heute besonders nah an der Band sein würde. Zu Steve Forrest später noch ein wenig mehr. Pünktlich um kurz nach Neun ging es dann los. Die Band spielte ein ca. 90-minütiges, lautes und ziemlich energisches Set. Das neue Album „Battle For The Sun“ wurde, so weit ich weiß, komplett gespielt und außerdem noch einige ältere Klassiker. 2 Zugaben rundeten den Abend ab.
Brian Molko schien der Gig ebenso viel Spaß zu machen wie dem Publikum. Er lächelte häufig und wirkte ziemlich aufgedreht, so wie jemand, der es gar nicht abwarten kann seine neuen Songs endlich vor Publikum spielen zu dürfen.
Aber nicht nur die Songs waren neu, da gab es ja noch den neuen Drummer Steve Forrest, der mit der Band derzeit seine Premiere feiert. Mit Steve Forrest haben Placebo einen Drummer eingestellt, der so jung ist, dass Brian Molko sein Vater sein könnte. Scheinbar war die Band bewusst auf der Suche nach frischem Blut um sich selber eine gehörige Verjüngungskur zu verpassen. Manchmal braucht eine Band so etwas, um sich nach so vielen Jahren im Musikgeschäft selber wieder etwas jünger zu fühlen. So wie es aussah, scheint dies geklappt zu haben.
Mr. Forrest wird derzeit häufig in den Mittelpunkt gerückt und vorgezeigt. Sowohl im Bühnenbild, auf Fotos oder auch beim Meet and Greet vor dem Placebo Tourbus. Ich persönlich bin allerdings der Meinung, dass sich die Band mit ihm keinen großen Gefallen getan hat. Aus folgendem Grund:
Steve Forrest prügelte das gesamte Set über dermaßen brachial auf sein Drum Set ein, dass mir der Sound vom Schlagzeug zu wenig facettenreich war und fast schon ein wenig auf die Nerven ging. Klar, der Junge möchte jetzt zeigen was er kann, und er kann Schlagzeug spielen, keine Frage (auch wenn er sich einmal verspielte), aber für meinen Geschmack fehlt ihm so ein wenig das Gespür für die leisen Töne. Sein Schlagzeugspiel passte nicht immer zu dem mir bekannten Placebo Sound, was besonders bei den älteren Nummern auffiel. Durch sein permanentes nach vorne preschen bekamen alle Songs eine Portion extra Speed. Steve Forrest ist der Typ, den ich eher in einer amerikanischen Mainstream Fun Punk Band verorten würde, in der es darauf ankommt möglichst immer und viel Gas zu geben, die Felle am glühen zu halten und dabei sehr gut auszusehen. Und das tut er, das gut aussehen. Mit seiner umher fliegenden Haarpracht, dem muskulösen, stark tätowierten Oberkörper und seinem Sunnyboy Lachen dürfte er für die eine oder andere schlaflose Nacht einiger weiblicher Fans sorgen.
Nun bin ich kein Groupie und Musiker bereiten mir in der Regel keine schlaflosen Nächte, aber als ich Steve Forrest beim gnadenlosen einprügeln auf seine Drums beobachtete, kam mir eine ganz andere Assoziation. Plötzlich wusste ich, welcher Drummer ihm eventuell als Vorbild diente. Es war „das Tier“, der wahnsinnige Schlagzeuger aus der Muppet Show.
Selbstverständlich kann dieser etwas neuere, flottere Placebo Sound, der sich auch aufgrund der Songs des neuen Albums, stark am Mainstream orientiert, von der Band gewollt sein. Damit jedoch gehen sie das Risiko ein, ihre Ausnahmestellung, die sie für mich früher einmal hatten, zu verlieren. Placebo war für mich immer eine Band, die ihre großen Momente nicht nur im schnellen Vorwärtsmarschieren hatte, sondern auch immer mit großen Melodien glänzte, besonders dann, wenn sie einen Schritt zurück traten und Raum zum Luft holen boten. Diesen Raum gab es gestern Abend nicht.
Meine kleine Kritik an Steve Forrest sollte jedoch nicht falsch verstanden werden. Von den meisten Konzertbesuchern dürfte genau das was ich vorsichtig kritisiert habe, durchaus positiv vermerkt worden sein. Tiere an den Drums werden für gewöhnlich sehr gerne gesehen, besonders bei Konzerten. Und auch ich höre und sehe sie gerne, am liebsten dann, wenn sie nach einem Sprint auch mal Zeit für ein Päuschen finden.
Nun aber genug von Steve Forrest. Das gestrige Konzert war nichts anderes als eine hervorragende Placebo Party mit einer gut aufgelegten Band, einem tollen Publikum, in einer schönen Location. Alle die für diesen Gig keine Karten bekommen haben, haben definitiv etwas verpasst. Mit all ihren Gastmusikern auf der Bühne geben sich Placebo große Mühe ihren Sound von den Brettern zu blasen. Eine gute Liveband sind sie in jedem Fall.
Für uns war dieser Abend ein schönes Erlebnis, denn wie bereits erwähnt, ist es immer etwas Besonderes eine Band die normalerweise eher auf den ganz großen Festivals und in großen Hallen spielt, in einem solchen Umfeld zu erleben. Man ist ganz einfach näher am Sound und näher an der Band. Nur dafür lohnte sich dieser Besuch schon. Und da Brian Molko offensichtlich etwas größenwahnsinnig geworden ist – in einem Visions Interview sagte er: „Über uns sind nur noch U2 und die Stones. Aber die kriegen wir auch noch“ kann es gut sein, dass man eine solche Gelegenheit so schnell nicht mehr geboten bekommt.
Bilder von diesem Placebo Gig im Kölner Gloria Theater, die das Geburtstagskind Iris persönlich geknipst hat, gibt es übrigens in meinem Flickr Stream zu sehen.
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