Bei meinem letzten Einkaufsbummel durch die Frankfurter Innenstadt, verspürte ich plötzlich eine nicht bezwingbare Lust auf eine frische Prise gut duftender Luft, wie es sie nur im bisher einzigen Hollister Store in Deutschland gibt, der sich im Einkauszentrum MyZeil befindet.
Hollister, das ist ein Laden der in einem arg dunklen Verkaufsraum für meinen Geschmack langweilige Mode für Bettys und Dudes verkauft. Bettys und Dudes, das sind bei Hollister die Begriffe für Damen und Herren, Mädels und Jungs, Barbies und Kens oder Tschais und Chabos.
Hollister, das ist auch der einzige Laden, bei dem die Kunden in langen Schlangen auf Einlass durch oft blonde Beach Boy Türsteher in Flip Flops warten. Ja, Flip Flops. Und dies nicht etwa nur am Tag der Eröffnung, einem besonderen Tag, an dem man schon mal gelegentlich Kunden vor Läden warten sieht, nein, sondern auch Heute noch, fast einem Jahr nach der Eröffnung des Shops.
Selbstverständlich würde ich mich in keine Schlange vor einem ordinären Ladengeschäft einreihen, erst recht dann nicht, wenn ich von vornherein weiß, dass dort keine Mode für mich verkauft wird.
Aber es war Vormittag und weit und breit keine Menschenschlange in Sicht, und somit eine gute Chance ohne Wartezeit dem gut riechenden “Hollister Darkroom” einen Besuch abzustatten. Darkroom deshalb, weil die Lichtverhältnisse im Hollister Store doch eher dem Grundsatz der künstlichen Verknappung folgen.
Nachdem ich den Laden betreten hatte, begrüßte mich eine junge, sehr luftig bekleidete Betty mit den Worten “Hey, what´s up?”
Ich war irritiert. “Hey what´s up” hatte noch nie jemand zu mir gesagt. Zumindest nicht ungestraft. Aber da ich der einzige Kunde war, der soeben die Schwelle des strandhütteartigen Eingangs betreten hatte, konnte sie nur mich gemeint haben. Was antwortet man nun emotional flexibel auf eine derartig bizarre Begrüßung aus der Mitte der Hollister Szene? “Yo Dawg”?, “Moinsen, Schnullerbacke”? oder vielleicht “Alles senkrecht”?
Ich wusste es nicht und ersparte mir eine unbedachte Begrüßungsformel, die nur hätte nach hinten losgehen können.
Ich schaute an mir herab und überlegte, was der Grund für diese merkwürdige Begrüßung sein konnte. Eventuell erkannte mich Betty irrtümlicherweise als einen ihrer Homies aus der Hood. Aber das konnte nicht sein. Ich trug keine Flip Flops, kein Bling-Bling zierte meine Brust, mein nicht vorhandener Waschbrettbauch war durch mehrere Kleidungsstücke verhüllt und auch sonst trug ich keine Surfer Mode am Leib. Es war ja auch schon Herbst, keine Jahreszeit, in der man mit einem Surfbrett durch die grauen Straßen lief.
Ich tastete mich vorsichtig weiter in den Inneraum des dunklen Ladens, und saugte die mit leckerem Duft angereicherte Luft durch die Nase ein. Immerhin war diese olfaktorische Wahrnehmung der eigentliche Grund für meinen Besuch.
Nachdem meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, beobachtete ich Betty, die immer noch an der Tür stand um ihre Kunden zu begrüßen, aus einiger Entfernung.
Und da tat sie es wieder. “Hey what´s up?” schleuderte sie dem nächsten Kunden, der gerade die Bambusüberdachte Schwelle des Ladens übertrat, etwas schüchtern entgegen.
Offensichtlich war dies eine Masche von Betty, vielleicht sogar ein Tic. So wie einige an Tourette- Syndrom erkrankte Menschen zwanghaft obszöne Worte an ihre Mitmenschen richten, hatte Betty den nicht kontrollierbaren Drang, jedem Kunden ein “Hey what´s up?” entgegen zu schleudern.
Ich wollte schon spontan das iPhone zücken, um nach dem medizinischen Fachbegriff für diese Erkrankung zu googlen, aber dann erinnerte ich mich daran, dass wir uns in Frankfurt befanden. In Frankfurt, wo man beinahe täglich auf Freaks und Menschen mit merkwürdigem Verhalten trifft, die keine entsprechenden Google Treffer aufweisen. Also verwarf ich diesen Gedanken. Zunächst.
Als ich wieder zu Hause war beschäftigte mich dieses Ereignis aber weiterhin emotional stark, und nun wollte ich doch herausfinden, was diese merkwürdige Begrüßungsformel denn wohl bedeuten könnte.
Lange googlen musste ich nicht. So wie das schummrige Licht, der blumige Geruch und die Beach Boy Türsteher vor dem Laden, ist es ein Konzept des Stores, Kunden mit verschiedenen Grußformeln zu begrüßen. “Hey what´s up?” scheint dabei die gängiste Begrüßungsformel zu sein.
Betty war auch keine einfache Begrüßerin oder gar Verkäuferin. Bei Hollister heißen die Mitarbeiter mit den Modelmaßen “Store Models” und so ähnlich sehen sie auch aus. Und genau wie bei echten Models, hat man auch bei den Hollister Store Models den Eindruck, dass sie sich nicht so ganz wohl in ihrer Rolle fühlen.
Wie auch immer. Beruhigt lehnte ich mich zurück. Ich hatte wieder etwas gelernt. Die Hollister Welt scheint etwas komisch zu sein. Aber sie riecht nunmal verdammt gut.

Dirk Gently’s holistischer Laden? :)
Ich glaube, ich muss mich mal da unauffällig in der Nähe positionieren und darauf warten, bis so ein Erz-Frankfurter in den Laden kommt, der dann statt “What’s up” “Warts ab!” versteht, das könnte lustig werden.
Mach das mal, aber ich glaube auf solche Kunden wartest du dort vergeblich. Es sei denn, Gerd Knebel betritt den Laden ;-)
Jetzt drehen sie völlig durch, oder? Klamottenläden, die so dunkel sind, dass man die Klamotten nicht sieht – das ist der letzte Schrei. Und ich weigere mich, da mitzumachen. Da können die so viele halbnackte Bettys und Froods aufstellen, wie sie wollen. (Aber vielleicht geh’ ich mal schnuppern…)