Ich glaube die Menschen im Frankfurter Nordend haben nicht viele Traditionen. Welche sollten es auch sein? Sonntagnachmittag Eis essend die Untere Bergerstrasse entlang flanieren und die Tiere im Schaufenster des Zooladens neben dem Penny Markt beobachten? Wohl kaum.
Deshalb wohl haben sich die Bewohner des schönen Nordends vor einigen Jahren eine eigene, eine handfeste Tradition erschaffen. Freitagabend trifft man sich kollektiv auf dem Markt am Friedberger Platz um dort einige Gläser Wein oder einige Flaschen Bier zu trinken.
Was sich hier noch wie ein gemütlicher Ausklang der Woche anhört, ist in Wahrheit das Ballermann des Frankfurter Nordends. Denn zu dieser Freitagabendtradition gehört neben dem gemeinsamen Alkoholgenuss noch einiges mehr.
Die Besucher dieses Marktes, man sagt dies wären in erster Linie LOHAS (OMG, ich habe dieses böse Wort geschrieben), Neo-Alternative, Intellektuelle und überdurchschnittlich viele Wähler der Grünen, haben es sich vermutlich zur Aufgabe gemacht, den Friedberger Platz in möglichst kurzer Zeit in eine hässliche Müllhalde zu verwandeln. Diese Aufgabe meistern die Herschafften mit jeder Woche ein wenig besser. Einwegflaschen, Pfandflaschen, Kippen, Kronkorken, Korken, Plastikbecher, Papier und anderer Müll von vielen Hundert Menschen übersäen die kleine Rasenfläche samt Umgebung nach Ende des Marktes so, dass man sich eher auf einer Mülldeponie wähnt als auf einem öffentlichen Platz im ach so alternativen Frankfurter Nordend.
Aber das ist noch nicht alles. Eine weitere Tradition dieses Marktes scheint zu sein, dass man versucht die dort aufgestellten Dixie Toiletten möglichst häufig zu meiden und stattdessen in Hauseingänge, Vorgärten oder Mülltonnenplätze der umliegenden Häuser zu urinieren, was dazu führt, dass es an diesen Stellen teilweise wie in einer nicht geputzten Bahnhofstoilette riecht. Sind ja nur biologische Abfälle.
Unter dem Motto „Freitagabend versauen wir den Friedberger Platz und Samstag Vormittag kaufen wir im Ökosupermarkt ein“ wird hier etwas kaputt gemacht, was früher wirklich eine schöne Tradition des Frankfurter Nordends war. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieser Markt unter den genannten Bedingungen nicht mehr lange stattfinden wird. Traurig wäre ich darüber nicht. Nicht mehr (Na gut, ein klein wenig schon).
Ich finde es gut, wenn man sich gemeinsame Plätze und Treffpunkte erschafft, aber diese sollten dann auch gepflegt und gut behandelt werden. Sonst sind sie ganz schnell wieder weg.
Wäre der Markt am Friedberger Platz eine Kneipe, dann hätte ein Großteil der Besucher schon längst Hausverbot. Kein Wirt lässt sich gerne die Kneipe zumüllen und hinter den Tresen pissen.
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