Das war er also, der Oberpirat. In der Sendung „Unter den Linden“ auf dem TV Sender Phoenix gab es am Montag dem 22. Juni eine Diskussionsrunde mit Prof. Rupert Scholz (CDU) und Dirk Hillbrecht, dem Vorsitzenden der Piratenpartei Deutschland. (Videostream der Sendung)
Für die Piratenpartei war dies eine der ersten Möglichkeiten, sich im TV einem breiten Publikum zu präsentieren, eine solche Chance sollte man nutzen, hat man aber nicht. Dirk Hillbrecht umwehte in dieser Sendung in etwa der Charme, den alte Bilder der Microsoft Gründer aus den 70er Jahren verbreiten. Sein biederer Finanzbeamtenanzug kombiniert mit einer fiesen Retrokrawatte, trug sein übriges zu dieser arg farblosen Vorstellung bei. Style und modischer Schick sind augenscheinlich nicht Dirk Hillbrechts Sache. Eine Frisur fand nicht statt.
Unter deutschen Politikern ist Dirk Hillbrecht mit dieser Attitüde nicht alleine, unter jungen Politikern vielleicht schon etwas eher. Aber natürlich ging es weder um „Germanys Next Politiker“, noch ging es um Style und Mode, es ging um Politik. Da darf es aus jahrelanger Tradition schon mal etwas blass zugehen.
Wenn, ja wenn dort nicht der Vorsitzende der Piratenpartei säße, jener Piratenpartei, die gerade im Internet in verschärfter Form versucht, junge affine Internetuser für sich zu gewinnen. Im Netz ist es mittlerweile cool geworden, zu behaupten, dass man ein Pirat wäre. Das moderne und junge Image sitzt im Internet inzwischen gut. Umso verwunderlicher ist es, dass dieses Image so gar nicht zu Dirk Hillbrecht passen wollte.
Von ihm, dem Vorsitzenden einer jungen aufstrebenden Partei, welche von der Bundestagswahl und in ganz wilden Nächten auch von der 5% Prozent Hürde träumt, darf und muss man in Sachen Persönlichkeit und Auftreten einiges mehr erwarten. Das Bild, welches Otto Normalverbraucher noch in großen Teilen von diesen “komischen Computerfreaks” vor sich hat, und welches schon lange nicht mehr der Realität entspricht, sollte jetzt nicht von den Piraten weiter aufrecht erhalten werden. Im Gegenteil, eine Korrektur dieses Bildes wäre schon lange fällig. Politiker sollten auch immer ein wenig Rockstar sein, bei Dirk Hillbrecht reichte es an diesem Abend gerade mal zum Groupie. Fairerweise muss man aber dazu sagen, dass Hillbrecht bisher offenbar noch über wenig bis keine TV Erfahrung verfügte.
Vielleicht machte Dirk Hillbrecht aber auch genau den richtigen Eindruck. Nämlich den, von einer Vereinigung von Mathematikern, Informatikern und eventuell auch Physikern, die in ihrer kleinen Welt gerne intensiv über ihre ureigenen Themen plaudern. Genau das hat Hillbrecht in der Fernsehsendung „Unter den Linden“ dann auch getan.
Im Schweinsgallop durchpflügte der Vorsitzende der Piratenpartei die vom Moderator Christoph Minnhoff vorgegebenen Themen, sprach seine Topics Stichpunktartig an, und verzettelte sich in einem schwerfälligen, für Unbedarfte kaum nachvollziehbaren Vergleich. Viel zu häufig war sein Kontrahent Rupert Scholz mit überholt anmutenden Altherrenweisheiten in der Lage, Hillbrecht den Wind aus den Segeln zu nehmen. Hillbrecht ließ dies ein ums andere Mal geschehen und fand kein Konzept dem alten Mann die neue Welt zu erklären.
Am Ende dieser Sendung blieben zurückgelassene Fernsehzuschauer, die eine deutliche Imagedifferenz zwischen den Piraten im Netz und dem Chefpiraten aus dem wirklichen Leben ausmachen konnten.
An einer von beiden Stellen könnte es sich also um mehr Schein als Sein handeln. An welcher Stelle das ist, darf jeder Zuschauer für sich selber entscheiden.
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