Johanna Zeul in Frankfurt

by Marius on 4. Juli 2008 · 0 comments

Johanna sah etwas müde aus, als sie neben dem kleinen Tisch saß und dort ihre neue CD „Album Nr.1“ verkaufte. Sie war heute schon in Halle und Berlin, sagte sie, und stand eben schon wieder alleine mit ihrer akustischen Gitarre auf der Bühne im kleinen Club „Das Bett“ in Frankfurt am Main, Sachsenhausen.Über ihr Debütalbum, welches Johanna Zeul gerade erst mit eigenem Label (Gold & Tier) veröffentlicht hat, steht in der aktuellen Ausgabe vom Musikexpress fast schon überschwängliches Lob. Sie schreiben dort: „Die FAZ verglich Johannas Strahlkraft mit den besten Zeiten der Neuen Deutschen Welle, andere ziehen „Wir sind Helden“ an den Haaren herbei, eine Unverschämtheit: Nichts davon war je annähernd so heiß, so direkt und so gut.“

Viele interessierte Leser scheint dieses Musikmagazin in Frankfurt allerdings nicht zu haben, denn gut besucht war Johanna Zeuls Gig leider nicht. Aber das ist man in Frankfurt seit vielen Jahren bedauerlicherweise gewohnt. Frankfurt ist kein gutes Pflaster für Musiker abseits von Konservenmusik. Viel zu oft enden solche einmaligen Konzertabende vor einer Hand voll müden Besuchern.
Die Veröffentlichung von Johanna Zeuls Debütalbum klappte nicht ohne Probleme, wie man lesen konnte. Es hieß, dass ihr Album zunächst auf dem Fanta 4 Label „Four Music“ veröffentlicht werden sollte, dort dann aber wegen der Beteiligung von Sony BMG an diesem Label unter die Räder kam, obwohl das Album bereits fertig war. Dies klingt für mich zwar nicht wie eine Erklärung für die Ablehnung von Johanna Zeul, auch deshalb nicht, weil es heißt, dass die siebenstellige Euro-Summe, die Sony BMG für ihre 50 % Beteiligung an „Four Music“ investierte, zweckgebunden zur Förderung neuer Künstler eingesetzt wird. Das klingt für mich eher nach absoluter Mutlosigkeit.
Wie auch immer diese Geschichte zustande kam, letztendlich gründete Johanna Zeul gemeinsam mit Martingo ihr eigenes Label namens „Gold & Tier“ um ihr Album dann doch noch unter die Leute zu bringen. Das ist natürlich der sehr viel beschwerlichere Weg, und umso mehr muss man sich vor Johanna verneigen. An der eigenen Karriere zu basteln, Songs zu schreiben, Aufzutreten, ein Album zu produzieren und dann auch noch ein eigenes Label zu managen, ist mit Sicherheit ein sehr hoher persönlicher Aufwand, der fast nicht zu bewältigen ist.
Trotzdem, auf der Bühne merkte man von Johannas Müdigkeit rein gar nichts. Sie sang, sie schrie, sie flüsterte, streichelte und malträtierte ihre akustische Gitarre, sprang in die Luft und sackte in sich zusammen. Die Bühne scheint völlig selbstverständlich Johannas Zuhause zu sein. Hier fühlt sie sich offensichtlich sehr wohl, hier kann sie erzählen was sie fühlt und denkt und hier offenbart sie ihren Zuschauern eine Art Seelenstriptease. Wie es scheint sind Auftritte für Johanna Zeul auch immer ein Stück Improvisationstheater.

Alleine auf einer Bühne kann man sich sicherlich auch schon mal sehr einsam fühlen, vielleicht versucht Johanna auch deshalb immer ihr Publikum mit einzubeziehen. Mal fragt sie einen Zuschauer, ob er ihr bitte ein Glas Leitungswasser auf die Bühne bringen könne, mal trinkt sie, während sie Gitarre spielt, aus einem Glas, das ihr ein Zuschauer an den Mund führen darf. Auch zum Mitsingen und Töne nachahmen wird das Publikum von Johanna Zeul animiert, denn Johanna spielt gerne mit Worten und Tönen. Auf die Frage „Hallo Leben, was kannst Du mir geben?“, aus einem ihrer Songs des neuen Albums, muss die Antwort eigentlich „alles was Du möchtest“ lauten. Wer so aktiv ist wie Johanna Zeul, der wird mit Sicherheit mit Erfolg belohnt werden, das geht gar nicht anders.
Und ich, ich werde mich still und heimlich freuen und an den gestrigen Gig zurückdenken, wenn der große Johanna Zeul Medienrummel beginnt. Lange kann dies eigentlich nicht mehr dauern.

Warning, bad quality ahead

Johanna Zeul in Frankfurt im Club “Das Bett”

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