Die 11 Zeugen des Daniel Wirtz

by Marius on 1. November 2008 · 1 comment

Als Frankfurter schreibt man natürlich gerne über andere Frankfurter. Besonders wenn sie auch noch Musiker sind. Der Heutige Frankfurter des Monats auf dieser kleinen familiären Website aus der Mainmetropole heißt Daniel Wirtz. Einige kennen Daniel Wirtz vielleicht als Sänger der deutschen Rockband Sub7even, die durch einen sehr frühen Major Plattendeal mit BMG eine zeitlang ganz gut im deutschen Musikgeschäft positioniert war. Ihre Single „Weatherman“, die sicherlich jeder schon mal irgendwann im Radio oder im Fernsehen gehört hat, stieg bis auf Platz 38 der Media Control Charts.
Sub7even gibt es Heute immer noch, den Major Deal mit BMG allerdings nicht mehr.

Nun hat Daniel Wirtz im Frühjahr 2008 ein Soloalbum namens „11 Zeugen“ auf seinem eigenen Label „Wirtzmusik“ veröffentlicht, auf dem er, im Gegensatz zu seinen Vocals bei Sub7even, in seiner Muttersprache Deutsch singt. Und das funktioniert erstaunlich gut.
Musikalisch orientiert sich Daniel Wirtz am guten alten Grunge/Alternative Rock der Marke Pearl Jam, Creed, Stone Temple Pilots oder auch Candlebox. An diese Bands wird man als Kind der 90er Jahre sehr gerne erinnert, zumindest gilt das für mich. Scheinbar erinnert sich Daniel Wirtz auch sehr gerne an diese Musik, sogar so gerne, dass er in seiner wirklich sehr schönen Ballade „Heute Weiß Ich“ den Song „Cover Me“ von Candlebox mehr als nur kurz zitiert. Aber warum auch nicht, diesen Song kennt heute sowieso kaum mehr jemand und darüber hinaus ist diese Vorlage auch zu schön um sie nicht zu nutzen. Daniel Wirtz weiß eben was gut klingt. Auch seine Stimme passt perfekt für diesen Gunge/Seattle Rock, und das obwohl er, wie bereits erwähnt, auf Deutsch singt.

Daniel Wirtz – Heute Weiss Ich

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Für jemanden der den musikalischen Höhepunkt seiner Karriere ungefähr mit 23 Jahren hatte, ist es sicherlich wichtig mit einem eigenen Ding noch einmal an dieses Karrierehoch anzuknüpfen. Mit diesem Album könnte Daniel Wirtz genau das gelingen.“11 Zeugen“ ist für Wirtz ein musikalische Zeugnis seiner selbst. Ein Zeugnis, bei dem es mehr düster als hell zugeht, und ein Zeugnis, dass die musikalische Qualität der Band Sub7even meiner Meinung nach um Längen übertrifft, was aber auch daran liegen könnte, dass ihm und seinen Hörern durch die deutschen Texte der Zugang zu den Songs wesentlich leichter fällt.
Man hat den Eindruck, dass Daniel Wirtz das Beste für sich selber aufgehoben hat, und das ist mehr als legitim. „11 Zeugen“ ist ein sehr persönliches Album, sein kleines Baby, und das hört man in fast jedem einzelnen Song. Wirtz erzählt über seine Träume, Fehler und Sichtweisen, er erzählt viel über sich selbst.
Auch die Produktion dieses Albums, sowie die Band um Daniel Wirtz muss sehr lobend erwähnt werden. So muss man Rockmusik heute konservieren. Druckvoll, klar, direkt und ehrlich, ohne zu viele Schnörkel und Soundteppiche. Handgemachte Rockmusik direkt auf die 12 und trotzdem mit viel Atmosphäre und Gefühl.
Das klappt natürlich nur, wenn die Songs auch dementsprechend passen, und das tun sie bis auf wenige Ausnahmen. „11 Zeugen“ beinhaltet einige wirklich außergewöhnlich gute Songs. Songs schreiben kann er also, der Daniel Wirtz, und wie.
Dass diese Songs auch bei einem größeren Publikum gut ankommen, zeigt seine Seite bei MySpace, wo er bis dato schon über 576.000 Profilaufrufe verzeichnen kann und für einen deutschen Künstler mit einem Debütalbum erstaunlich hohe Songaufrufe hat. Damit gehört Daniel Wirtz sicherlich zu den deutschen MySpace Größen und zeigt damit, dass diese Plattform doch einen gewissen Nutzen haben kann, wenn man sie richtig einzusetzen weiß.
Selbst für 2 Gigs als Vorband für die Foo Fighters hätte es für Daniel Wirtz im Sommer fast gereicht. Aber nur fast, denn leider besetzten die Foo Fighters den Platz vor ihrem Auftritt dann doch lieber mit einer Band aus den Staaten (Flogging Molly). Das ist einerseits Schade, aber andererseits vielleicht auch wieder nicht, denn eventuell hätte ein solcher Auftritt zu einer Art Hype geführt. Und wo zu schneller Erfolg im Musikgeschäft führen kann, weiß Daniel Wirtz bereits von früher.
Trotzdem, über mangelnden Erfolg kann sich Daniel Wirtz nicht beklagen. Seine „11 Zeugen Tour“ war gut besucht und innerhalb der MySpace Charts, von denen ich gar nicht wusste, dass sie existieren, hat er es zeitweise auch recht weit nach oben geschafft. Daniel Wirtz kann auf eine stabile Fanbase zählen, auf eine Fanbase, die nicht durch einen künstlichen Hype entstanden, sondern organisch gewachsen ist.
Bei soviel Erfolg kommt schnell die Frage nach noch mehr Erfolg, Airplays im Radio zum Beispiel. Auf dem Album sind auch mindestens 3-4 Songs vertreten, die für diesen Zweck gut geeignet wären. Wenn man aber das komplette Album in Hinsicht auf Radioeinsätze untersucht, dann scheint diese Idee des Erfolges über Airplays im Radio nicht konsequent zu Ende gedacht worden zu sein, denn die Lyrics von Wirtz sind, so wie ich das Radio kenne, nicht jederzeit Radiokompatibel.
Da hätten wir zum Beispiel den ansonsten sehr radiotauglichen Song „Ne Weile her“, bei dem gleich zu Begin eine explizite Ausdrucksweise verwendet wird, die vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Für diesen Song könnte es also schwer werden, auf einer Heavy Rotation Liste von Radiosendern zu landen. Ich sehe schon die beschämend zu Boden gerichteten Blicke einiger Radiomusikredakteure vor mir, wenn die Zeile „Ich hab gefickt, ich hab betrogen, mich durchs Leben gelogen“, erklingt.
Andererseits könnte man eine solche Single natürlich leicht für Airplays im Radio anpassen, sofern man das überhaupt möchte. Und da bin ich mir bei Daniel Wirtz nicht so sicher, denn es wirkt fast so, als versuche er bewusst mit dieser Ausdrucksweise zu provozieren.
Nötig für diesen Song war das sicherlich nicht, was aber aus meiner Sicht eher daran liegt, dass das Wort „ficken“ sich gesungen ganz einfach nicht so gut anhört. Aber das ist selbstverständlich Geschmackssache.
Aber keine Angst, so schlimm wie sich das jetzt anhört ist die Ausdrucksweise von Daniel Wirtz ansonsten nicht, sie fällt aufgrund der deutschen Sprache und seiner Direktheit nur mehr auf. Dass Wirtz seine Texte nicht in Hinblick auf mögliche Radioseinsätze schreibt, zeigt aber auch, wie ehrlich er mit sich selber umgeht. Und das ist letztendlich das, was zählt.

Daniel Wirtz – Ne Weile Her

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Wie auch immer, Daniel Wirtz scheint ein sehr netter, ehrlicher Typ zu sein, der eine gute Stimme hat und tolle Songs schreiben kann. Außerdem versteht er es mit seinen Fans umzugehen, und diese Tatsache ist im heutigen Musikgeschäft wichtiger denn je. Denn wer gute Musik produziert, aber nicht den richtigen Draht zu seinen Fans hat, der kann zwar auf Rekorddownloadzahlen in den Tauschbörsen verweisen, sensationelle Verkaufszahlen dürften in solchen Fällen aber eher Fehlanzeige sein.
Es bleibt also Daniel Wirtz zu seinem sehr gelungenem Soloalbum zu gratulieren und ihm für seine Zukunft alles Gute zu wünschen. Typen wie er sind für die deutsche Musiklandschaft sehr wichtig, weil sie diese positiv verändern könnten.
Für den 07.11.2008 steht die Veröffentlichung seiner neuen Single „Keine Angst“ an, und dieser Song ist auch eines der Highlights auf dem Album.

Daniel Wirtz – Keine Angst

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An dieser Stelle sollte der Artikel eigentlich zu Ende sein. Aber halt, da gibt es noch eine Kleinigkeit. Etwas, dass zumindest mir wichtig ist zu wissen, da ich gerne hinter die Kulissen schaue.
Wenn man sich das Daniel Wirtz Album „11 Zeugen“ beim Onlinehändler Amazon anschaut, dann sieht man unter den Rubriken „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch“, sehr deutlich die Verknüpfung von Daniel Wirtz mit der Band „Böhse Onkelz“ und dem ehemaligen Kopf und Bassisten der „Böhse Onkelz“, Stephan Weidner, der mittlerweile als Produzent und Solokünstler unterwegs ist. Käufer die „11 Zeugen“ kauften, kauften auch Alben von „Böhse Onkelz“ und Stefan Weidner. Das ist soweit nichts ungewöhnliches, aber eben doch bemerkenswert, wie ich finde. Man darf sich also durchaus mal fragen, warum das so ist und ich frage mich so etwas eben gelegentlich.
Daniel Wirtz Band Sub7even spielte mehrfach als Vorband für die „Onkelz“ und das letzte Sub7even Album „LOVECHAINSROCKETS“ wurde von Stefan Weidner produziert.
Außerdem nahm Wirtz gemeinsam mit Stephan Weidner unter dem Namen „Nordend Antistars“ eine Single namens „Unser Stadion – Unsere Regeln“ zur Fußball WM 2006 auf, bei der auch Kevin Russell, der ehemalige Sänger der „Böhse Onkelz“ im Hintergrund zu hören ist.
Durch diese Verbindung zwischen Daniel Wirtz, den „Onkelz“ und Stephan Weidner ist anzunehmen, dass Wirtz einen Teil seiner Hörer aus dem großen Kreise der „Onkelz“ Fans bezieht.
Warum erwähne ich das überhaupt? Die Band „Böhse Onkelz“ und dementsprechend auch Stefan Weidner sind bis heute nicht ganz unumstritten. Warum das so ist, möchte ich an dieser Stelle nicht ausdiskutieren.
Für Daniel Wirtz bedeutet die Verbindung zu Stephan Weidner und den „Onkelz“ zweierlei Dinge. Zum einen profitiert er natürlich immens von der immer noch breiten Fanbase der „Onkelz“, und zum anderen schränkt gerade diese Tatsache in gewisser Weise stark ein.

Ich selber kenne zum Beispiel so einige Menschen, die, würden sie die oben beschriebene Verbindung kennen, von vornherein nichts mit der Musik von Daniel Wirtz zu tun haben wollen, weil sie hier negative Assoziationen verbinden. Welche Assoziationen das im Detail sind, und ob sie berechtigter Natur sind, ist an dieser Stelle völlig egal, sie sind für diese Menschen eben vorhanden und das muss man akzeptieren.
Diese Menschen stecken Daniel Wirtz quasi von vornherein in eine bestimmte Schublade, weil Menschen eben zu so etwas neigen. Das ist in sofern Schade, weil genau diese Menschen ansonsten mit Vorliebe genau diese Art von Musik hören, die Daniel Wirtz auf „11 Zeugen“ macht.
Befindet man sich als Musiker erst einmal in einer solchen Schublade, dann hat man es sicherlich nicht gerade leichter, über das Wohlwollen einer bestimmten Personengruppe hinaus zu kommen. Und genau das könnte Daniel Wirtz in seiner Karriere in gewisser Weise einengen. Damit würde dann ein Graben in der Hörerschaft entstehen, über den man nicht mehr so ohne weiteres springen könnte. Verschiedene Menschen, die man normalerweise mit solcher Musik locker erreichen würde, würden plötzlich unerreichbar. Das ist keine Vermutung, sondern eine Tatsache, da insbesondere beim Thema Bands und Musik, stark in Schubladen gedacht wird und darüber hinaus ziemlich viel vom eigenen Image abhängt. Und mir kann niemand erzählen, dass Musikredakteure frei von solchem Schubladendenken wären.
Ich persönlich wünsche Daniel Wirtz nicht, dass er ein Opfer solcher Schubladen wird, denn wie man in seinem Song „Erster Stein“ hören kann, ist er selber kein Freund von eben diesen.

Halten wir also fest:
Das Album „11 Zeugen“ von Daniel Wirtz ist ein wirklich gutes deutschsprachiges Grunge/Rockalbum geworden, und davon gibt es nicht sehr viele. Daniel Wirtz hat eine gute Stimme und schreibt hervorragende Songs.
Mit seiner sympathischen Art, von der man sich in diversen YouTube Videos überzeugen kann, und seinem enormen musikalischen Potential, hat Daniel Wirtz die Chance, in diesem Musikgenre eine echte Lücke zu besetzen und somit eine feste Größe in diesem Bereich zu werden. Ich wünsche ihm, dass er dies schafft. Und das nicht nur, weil er aus Frankfurt kommt.
Am Dienstag, 4. November spielt Daniel Wirtz übrigens im Frankfurter Nachtleben. Es dürfte voll werden.

Weitere Informationen:

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