Weil Petra Roth, die amtierende Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main, am 30. Juni 2012 vorzeitig von ihrem Amt zurück treten wird, finden am 11. März Direktwahlen für das Amt des Oberbürgermeisters statt.
Und da in der Stadt derzeit an jeder Ecke Wahlplakate der Kandidaten zum Oberbürgermeister hängen, wird es langsam Zeit mal einen Blick darauf zu werfen.
Rosemarie Heilig, Die Grünen
Rosemarie Heilig hat auf ihrem Wahlplakat das gesunde Mittelmaß zwischen Zu- und Aufgeknöpftheit nicht gefunden. Dabei ist es oft dieser eine Knopf, der über Erfolg und Misserfolg in der Politik entscheidet.
Dennoch wirkt Rosemarie Heilig angestrengt seriös und konservativ, von beiden Eigenschafften gekonnt einen Hauch zu viel.
Schuld daran ist nicht nur ihre hier präsentierte und im Frankfurter Römer wohlbekannte klassische Föhnfrisur, sondern auch das leicht aufgesetzt wirkende Breit-Lächeln, das man sonst nur aus der Werbung für Zahnpasta und Gebissreiniger kennt.
Im Kontrast dazu trägt Rosemarie Heilig nur an einem Ohr einen Ohrring, was ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass in ihrem Inneren auch ein kleiner unangepasster Rebell zu Hause ist. Vielleicht hat sie den zweiten Ohrring aber auch einfach nur vergessen. Oder Photoshop.
Insgesamt soll Rosemarie Heilig auf ihrem Wahlplakat wohl als eine Art Konsenskandidatin präsentiert werden, die Art von Kandidat also, die wir erst kürzlich bei der Suche nach einem neuen Anti-Bling-Bling Bundespräsidenten kennen gelernt haben.
Wer es jedem recht machen will, wird es wohl niemandem recht machen können. Oder vielleicht doch?
Janine Wissler, Die Linke
Janine Wissler hält auf ihrem Plakat ihre Message auf einer Texttafel in den Händen, und erinnert damit entfernt an Bob Dylans Musik Video zu Subterranean Homesick Blues aus dem Jahre 1965.
Was damals eine stilistische Sensation war, kann man heute ruhigen Gewissens mal wieder aus der etwas verstaubten Popkultur Ecke heraus kramen. Denn insgesamt wirkt diese Art der Präsentation selbstbewusst, bestimmt und auch ein wenig trotzig und setzt somit ein Ausrufezeichen hinter die zu transportierende Message. Keine schlechte Idee also. Besonders dann, wenn ein kleines rebellisches Gen im Erbgut sitzt.
Insgesamt zielt Janine Wisslers Auftritt auf das Gefühl ab, mit ihr nach Mitternacht am Tresen einer Studentenkneipe sitzen zu wollen, um bei Bier und Jägermeister über Politik und Gesellschaft zu diskutieren. Für viele Menschen also das Maximum, was Politik erreichen kann.
Janine Wisslers Plakat funktioniert im Großen und Ganzen schon ganz gut und zeigt, dass man auch mit einfachen Mitteln zur Politik passende Inhalte transportieren kann.
Herbert Förster, Piratenpartei
Katzen haben relativ selten Vor- und Nachnamen. Aus diesem Grund wirbt Herbert Förster nur mit seinem lustigen Vornamen, auch wenn dieser untypischerweise nicht auf den für Katzen beliebten Endlaut “i“ endet. Aber Katzen müssen natürlich nicht immer Ferdi, Minki oder Pinky heißen. Warum nicht auch mal Herbert?
Da Katzen häufig Einzelgänger sind, und zudem gelegentlich eigenbrötlerisch, unberechenbar, desinteressiert und gemein auftreten, sind auf diesem Plakat definitiv die falschen Charaktereigenschaften für das schwere politische Geschäft symbolisiert worden.
Besonders ein Oberbürgermeister sollte von den zuvor genannten Eigenschaften das genaue Gegenteil ausstrahlen. Auch auf Stubenreinheit sollte unbedingt geachtet werden.
Aber: Politisch korrekte Frankfurter wählen sowieso keine Katzen. Auch dann nicht, wenn sie auf der Speisekarte eines chinesischen Restaurants unter der Nummer 7a stehen würden.
Der letzte Satz sollte lustig wirken. Wahrscheinlich genauso lustig, wie dieses Plakat. Beides ging anständig in die Hose. Das kann ja mal passieren.
Peter Feldmann, SPD
Die Wahlplakate von Peter Feldmann zeigen einen unbekannten Mann vor biederem Design, das vom Stil her als Light Variante der 70er Jahre Ästhetik verortet werden könnte.
Der durchgängig Retro-braune Hintergrund, der auf diesem verkleinerten Bild leider nicht so zur Geltung kommt, erinnert an Eiche Rustikal Wohnzimmer mit Schnittchenteller und Gürkchen.
Modern, jung und zukunftsorientiert sieht anders aus. Völlig anders. Aber das muss nicht unbedingt schlecht sein, denn auch wessen Plakat altbacken wirkt und wirbt, kann sich im Zuge der immer jungen Retro Welle stets auf einen breit gefächerten Trend berufen. Gewollt oder ungewollt.
Peter Feldmann präsentiert sich auf seinem Plakat als einer dieser Typen, die in den eigenen vier Wänden mit Schlips und Kragen handwerklichen Tätigkeiten nachgehen. Ein Typ Mann also, den niemand gerne zu Hause haben möchte. Zumindest niemand den ich kenne.
Die hier demonstrierte grundsätzliche Bereitschaft beim Aufbau von Regalen behilflich zu sein, könnte jedoch Pluspunkte bei städtischen Beschäftigten im Rathaus verbuchen. Aber ob das reichen wird?
Boris Rhein, CDU
In Anbetracht so einiger Wahlplakate des CDU Kandidaten, könnte man annehmen, dass Boris Rhein ein ganz schön abgerissener Typ wäre. Dann habe ich aber doch noch ein unbeschädigtes Boris Rhein Plakat in meinem nicht gerade CDU freundlichen Kiez entdeckt und sofort mobilfotografisch festgehalten. Man weiß ja nie, wann man dazu wieder einmal die Gelegenheit bekommt.
Vom Design her ist Boris Rheins Plakat der Gewinner unter den Wahlplakaten, und zwar mit einigem Abstand. Das ist bei den zuvor gezeigten Beispielen aber keine große Kunst.
Boris Rheins Plakat könnte in seiner relativ angenehmen schwarz/weiß Ästhetik implizieren, dass man in Frankfurt auch als stereotyper Agentur-Werber mit Nerdbrille früh Feierabend machen kann, um mit seinem Kind Huckepack durch die Stadt zu laufen.
Das wirkt familienfreundlich und sympathisch und stimmt so vermutlich für viele Agentur Menschen nicht.
Die Anspielung auf “unseren Besten”, der vermutlich eher auf den Schultern sitzt anstatt eine tragende Rolle zu spielen, unterstreicht das gewählte Thema Zukunft auf diesem Plakat in okayer Art und Weise, auch wenn es vom vermeintlichen Hauptdarsteller etwas ablenkt.
Außerdem sieht Boris Rhein auf diesem Plakat ein wenig aus wie der ältere Bruder von Küchenradio Moderator Philip Banse. Inwieweit diese Ähnlichkeit zu Pluspunkten bei den eher Internet-affinen Wählern führt, kann ich nicht beurteilen. Ein interessanter Gast im Küchenradio wäre Boris Rhein aber in jedem Fall.
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Ja, habe mich ehrlich gesagt gefragt, wie die SPD es mit diesen Plakaten zu so guten Ergebnissen geschafft hat. Danke für den Bericht.
Interessant ist, dass sich SPD und Grüne auf ihren Plakaten eher als einfallslos, konservativ und tödlich langweilig zeigen, wohingegen die CDU Plakate schon progressiv und beinahe künstlerisch anspruchsvoll waren. Werde wohl meine politischen Schubladen nochmal neu sortieren müssen.