Nachdem Petra Roth (CDU), die amtierende Oberbürgermeistern von Frankfurt am Main, für den 1. Juli 2012 ihren Rücktritt angekündigt hat, suchte die Stadt am 11. März 2012 bei den Oberbürgermeisterwahlen einen Nachfolger. Da es bei diesem ersten Wahlgang aber keinen klaren Wahlsieger gab, findet nun am 25. März eine Stichwahl zwischen Boris Rhein (CDU) und Peter Feldmann (SPD) statt.
Und bei dieser Stichwahl fängt es an politisch interessant zu werden. Denn nun müssen sich die Wählerinnen und Wähler (wollte ich schon immer mal so politisch korrekt schreiben) nicht mehr zwischen 10 Kandidaten entscheiden, sondern nur noch zwischen Boris Rhein und Peter Feldmann, zwischen CDU und SPD, zwischen schwarz und rot, zwischen christlich-demokratisch und sozialdemokratisch, zwischen Horn- und Lesebrille.
Interessant wird es vor allem auch deswegen, weil die Stimmen der nicht mehr zur Wahl stehenden Lager, hauptsächlich der Grünen, höchstwahrscheinlich diese Wahl entscheiden werden.
Unter diesen Voraussetzungen könnte man nun meinen, dass diese Wahl somit schon zu Gunsten von Peter Feldmann (SPD) entschieden wäre. Die Grünen waren traditionell schon immer mehr Partner der SPD als der CDU.
Und obwohl Frankfurt derzeit von einer Koalition aus CDU und Grünen regiert wird, kann man es sich nur sehr schwer vorstellen, dass die Grünen den als erzkonservativ geltenden und gelegentlich als „Law and Order Mann“ bezeichneten derzeitigen hessischen Innenminister Boris Rhein unterstützen werden.
Die Ausgangslage könnte also ziemlich klar zu Gunsten Peter Feldmanns sein. Ist sie aber nicht.
Denn überraschenderweise verzichten die Grünen darauf eine offizielle Wahlempfehlung auszusprechen. Dieser Verzicht auf eine Wahlempfehlung scheint aber einige Grüne nicht zu interessieren und so wird es politisch noch absurder, da einige Grüne sich mittlerweile für die Wahl von CDU-Mann Boris Rhein ausgesprochen haben. Für die Wahl eines rechtskonservativen Innenministers also, den die Grünen früher politisch vermutlich noch nicht mal mit dem Allerwertesten angeschaut, geschweige denn gewählt hätten.
Für mich ergibt sich hier persönlich die widerliche Vermutung, dass es den Grünen ungeachtet ihrer politischen Überzeugung in erster Linie um die Sicherung ihrer derzeitigen Posten und Pöstchen geht. Und zwar vor allem anderen.
Denn längerfristig könnte ein SPD Oberbürgermeister natürlich das Ende der schwarz-grünen Koalition bedeuten, und das wissen die Grünen im Frankfurter Römer sehr genau.
So wie sich die aufgrund ihres schwachen Wahlergebnisses (lag bestimmt am Wahlplakat, ich berichtete) sicherlich enttäuschten Grünen vor dieser Stichwahl verhalten, sind sie zumindest für mich derzeit endgültig unwählbar geworden.
Bei dieser Stichwahl zum Frankfurter Oberbürgermeister stellt das zwar kein Problem dar, da die Grünen es ohnehin nicht in die zweite Runde des Castings geschafft haben, aber dieses offen zur Schau getragene Machtkalkül nimmt mir ganz allgemein die Lust auf diese Stichwahl, bei der ich mich zumindest indirekt an diesen machtpolitischen Spielchen beteiligen würde.
Aus diesem Grund werde ich mal wieder auf meine Wahl verzichten. Im Gegensatz zu unserem neuen Bundespräsidenten bin ich nämlich nicht der Meinung, dass man keine Wahl verpassen sollte.
Ich gebe zurück in die angeschlossenen Funkhäuser.

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