Es ist ein sonniger Tag im Frankfurter Nordend. Frische Bergluft strömt von der Friedberger Landstraße in die kleine Gasse, in der das Gebäude des Prominentenkiosks in den blauen, wolkenlosen Frankfurter Himmel ragt. Davor steht der Wagen des Getränkelieferanten, der gerade Mittagspause macht, und einen verschmitzten Silberblick aus seinem mit einem Fuchsschwanz verzierten Fahrerhäuschen wirft.
Marius Anatol Kiesgen holt Luft, wie immer wenn er zu reden beginnt. Dann öffnet er seinen Mund und signalisiert damit unmissverständlich, dass er gleich etwas sagen wird.
“Ich bin kein durstiger Mensch” sagt er, “trotzdem trinke ich gelegentlich mal ein Glas Wasser.”
Was auf den ersten Blick wie die nur für ein Fachpublikum bestimmte intellektuelle Einlassung eines promovierten Wissenschaftlers klingt, möchte Kiesgen gar nicht so verstanden wissen. “Viele Menschen glauben, ich würde nur im Supermarkt einkaufen gehen”, gibt Marius Kiesgen zu Protokoll, “aber das ist nicht immer so, manchmal kaufe ich auch am Kiosk eine Flasche Wasser und für 20 Cent Lakritzschnecken.”
Wir hatten uns zu einem Spaziergang mit Marius Anatol Kiesgen verabredet, ihn gebeten, uns sein Frankfurter Nordend zu zeigen. Doch zunächst sitzen wir auf zwei umgedrehten Bierkästen vor seinem Stammkiosk.
Marius Anatol Kiesgen ist ein Frankfurter Einwohner. Erst recht, seitdem er in Frankfurt wohnt. 1968 geboren, als Sohn einer Mutter und eines Vaters, lebt er seit seiner Geburt in der liebenswürdigen Mainmetropole.
Die deutsche Sprache eignete sich der junge Mann mit Hilfe seiner Grundschullehrerin schnell an. Bereits mit 12 Jahren sprach er seine Muttersprache fließend. Über diese Fähigkeit verfügt Kiesgen noch heute.
Nach einigen verbalen Aufwärmübungen und einer sauren Gurke beginnen wir unseren aufregenden Stadtteilspaziergang, Marius Kiesgen führt uns durch sein ganz persönliches Nordend.
Nachdem wir einige Straßenzüge passiert haben, bleibt Marius Kiesgen unvermittelt stehen und betrachtet nachdenklich, ja fast wehmütig, den luxuriösen Supermarkt am unteren Ende der Berger Straße. “Als meine Mutter 1967 nach Frankfurt kam, gab es auch schon Supermärkte” sagt er. Dies, sowie die Tatsache, dass es Ihm ganz einfach unglaublich viel Spaß macht, mit einem Einkaufswagen auf vier Rädern durch die Gänge aus Regalen zu kurven, wird er Zeit seines Lebens nicht mehr vergessen. Das hat ihn geprägt.
Wir ziehen weiter.
Der nächste Halt ist eine Eisdiele, an der wir uns durch das kleine Fenster zum Straßenverkauf zwei Eiswaffeln mit je einem Bällchen Schokolade und Vanille reichen lassen.
Marius Kiesgen erklärt “Eis hat mich schon immer sehr fasziniert. Vor allem deshalb, weil es immer so schön kalt ist.”
Wir schlendern weiter über die Berger Straße und kommen an einer erstaunlich gut besuchten Currywurstbude vorbei. “Currywurst mit Pommes ist die fair gehandelte Falafel Pita mit Öko Zertifikat des kleinen Fast Food Gutmenschen”, philosophiert Kiesgen, “aber nur mit doppelt Mayo und Zwiebeln”, fügt er rasch mit einem verschmitzten Lächeln hinzu.
Marius Kiesgen ist ein blitzgescheiter Kommunikator, das wird in unserem Gespräch schnell klar. Zu jeder heimischen Örtlichkeit fällt ihm eine lustige Anekdote ein. Das ist jedoch kein Wunder, denn Kiesgen hat schon viel erlebt und noch mehr gesehen. Außerdem kennt er das Frankfurter Nordend wie seine eigene Westentasche und hat stets interessante Hintergrundinformationen über sein Stadtteil auf Abruf. “Das Nordend hat seinen Namen einer Himmelsrichtung zu verdanken”, klärt Kiesgen uns wissend auf.
Wenn eine leichte nach Frühling duftende Brise durch das Nordend weht, bewegen sich Marius Kiesgens Haare lustig im Wind. “Das liegt am Wind”, sagt Kiesgen.
Wir spazieren weiter Querfeldein Richtung Friedberger Platz. “Der Name “Friedberger Platz” steht in engem Zusammenhang mit der Friedberger Landstraße”, so Kiesgen. “An Freitagen feiert hier die behornbrillte Besserverdiener-POST-LOHAS-Bewegung ihre gefühlte Bohèmness, und auch ich gönne mir an diesem Ort gelegentlich einen Jägermeister aus der Plastiktüte”, erzählt uns Kiesgen begeistert.
Langsam schließt sich der Kreis und wir kommen zu der letzten Station unseres Stadtteilspaziergangs, dem Bethmannpark, der auch einen chinesischen Garten beheimatet. “China wird gemeinhin in Asien verortet und hat mehr Einwohner als das Nordend und Bockenheim zusammen”, so Kiesgen ehrfurchtsvoll vor dem Reich der Mitte.
Nun ist es höchste Zeit sich zu verabschieden. Lange genug haben wir Marius Kiesgens wertvolle Zeit in Anspruch genommen. Wir sagen vielen Dank für die äußerst interessanten Einblicke aus erster Hand in ein spannendes Frankfurter Stadtteil.
Zum Abschied gibt uns Marius Kiesgen die Hand. “Das Händeschütteln ist eigentlich ein Nonverbales Begrüßungsritual”, klärt uns Kiesgen zum Abschied auf.
Wir sagen vielen Dank!
(Inspiriert durch das Journal Frankfurt)

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Oh ja. Haben die eigentlich noch Leser?
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