Danke Frankfurt! Für nichts, nichts, nichts

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Im aktuellen Musikexpress gibt es ein Interview mit Fritzi und Daniela, die unter ihrem Bandnamen Schnipo Schranke gerade dabei sind, der deutschsprachigen Musikszene frische Körpersäfte einzuflößen.

Fritzi und Daniela kommen ursprünglich aus Frankfurt am Main und haben sich vermutlich an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst kennengelernt, wo sie jeweils Blockflöte und Cello studierten. Nachdem sie ihre Band gründeten, versuchten sie zunächst in Frankfurt musikalisch Fuß zu fassen. Leider war dieser Versuch nicht von Erfolg gekrönt. Daraufhin zogen die Beiden nach Hamburg und gaben somit ihrem Projekt den entscheidenden Impuls. Insbesondere deutschsprachige Indie-Musik hat in Hamburg eine große und lange Tradition. Bands wie Die Goldenen Zitronen, Blumfeld, Die Sterne, Tomte, Kettcar und Tocotronic zählen zur so genannten Hamburger Schule, die landesweite Anerkennung genießt.

Im Musikexpress Interview sprechen Fritzi und Daniela über ihre Anfänge in ihrer damaligen Heimat. Auf die Frage, ob es auch die Perspektive gab in Frankfurt zu bleiben, antworten die Beiden sehr eindeutig. Sie hätten das anfänglich versucht und dort etliche Auftritte gespielt, aber das höchste der Gefühle war in Hessen schnell erreicht, da es dort keine Szene für ihre Art der Musik gibt. Auch hätten sie in der ganzen Zeit keine anderen Bands kennengelernt, die ähnliche Vorstellungen hatten, so dass sie sich in Frankfurt mit niemandem austauschen konnten. Weiterhin hätten sie in Frankfurt auch nicht gewusst, zu welchem Label oder zu welchem Produzenten sie hätten gehen können. Dort (in Frankfurt) ist nichts, nichts, nichts, so Daniela.

Im Folgenden geht es nicht mehr um die ursprünglich aus Frankfurt stammende Band, die erst in Hamburg den zündenden Funken fand. Es geht vielmehr um meine Interpretation des Frankfurter Nichts, für das das Interview der beiden Wahlhamburgerinnen nur der Aufhänger war.

Zaghafte Versuche und Frankfurter Festivals

Nun bin ich jemand, der die eher alternative Frankfurter Musikszene gut und gerne 20 Jahre lang verfolgt hat, vermutlich sogar länger. Mit Musik und Musikern bin ich in Frankfurt aufgewachsen, die Szene hat mich immer interessiert. Gemessen an dieser langen Zeitspanne, gab es allerdings in Summe tatsächlich nicht allzu viel zu verfolgen, das muss ich leider feststellen.

Mit dieser Aussage soll weder die Leidenschaft noch die Qualität der guten und engagierten Bands geschmälert werden, die ich in dieser Zeit kennen lernen durfte. Aber es geht hier eben nicht um einzelne Bands, sondern um eine stabil aufgestellte Musikszene, die in der Lage ist Bands hervorzubringen, die etwas mehr erreichen möchten. Bands denen es nicht reicht, einmal im Jahr vor undankbarem Publikum und in akustischer Nachbarschaft von fürchterlichen Coverbands auf dem widerlichen Frankfurter Museumsuferfest zu spielen. Eine solche Szene existiert in Frankfurt de Facto nicht. Im Vergleich zu Hamburg ist Frankfurt diesbezüglich traurigstes Ödland.

Vielleicht war Frankfurt in früheren Jahren mal auf einem ganz guten Weg. Immer mal wieder fühlte es sich zumindest kurz fast so an, als könne in Frankfurt eine Szene entstehen, als könne die Stadt auch Bands, Szene und Popkultur. Orte wie die Music-Hall, das Negativ, O25 und sogar die Zeil mit dem groß aufgezogenen Sound Of Frankfurt Festival hatten als Mosaiksteine eines zukünftigen großen Ganzen etwas zu bieten und trugen, ebenso wie die vielen kleinen Veranstaltungen und Partys mit Bands und Livemusik, zu diesem Gefühl bei. Wäre diese Entwicklung komprimiert so weitergegangen, würde Frankfurt heute vielleicht etwas bunter aussehen.

Aber so kam es leider nicht.

Als Gegenentwurf zu Festivals wie die Berlin Music Week als Musikfestival und Konferenz (künftig Pop-Kultur), Lollapalooza Berlin, Reeperbahn Festival oder MS-Dockville (beide Hamburg) hat Frankfurt heute nur viel nichts, nichts, nichts zu bieten. Für eine Großstadt ist das ein Armutszeugnis.

Aber halt, das stimmt so nicht ganz. Natürlich gibt es in Frankfurt auch ein Festival. Es hat sogar ganz ähnliche Ticketpreise wie einige der erstgenannten und nennt sich „Grüne Soße Festival“. Tatsächlich handelt es sich hierbei nicht um ein ironisch benanntes Hipster-Festival – das hätte ja durchaus sein können. Nein, das Grüne Soße Festival bietet tatsächlich das, was sein Name impliziert. Es geht hierbei um eine kalte Kräutersoße mit abendlichem Begleitprogramm. Unglaublich, aber wahr.

Und weil das noch nicht grausam genug ist, schiebt Frankfurt mit dem Apfelwein Festival ein weiteres Fress- und Sauffestival mit Schlagermusik an gleicher Stelle hinterher. Offenbar war der verstorbene Heinz Schenk tatsächlich unser David Bowie. Es ist verdammt traurig diesem Frankfurter Nichts beim Nichtstun zuzusehen.

Heldinnen und Helden werden nicht in der Cocktail Lounge geboren

Die Stadt Frankfurt prahlt gerne mit ihrer ach so wertvollen Kunst- und Kulturszene und meint damit aus meiner Sicht in erster Linie überteuerte Museen, versnobte Sauf- und Fressfeste und Theateraufführungen für Parallelgesellschaften. Stechen diese Trümpfe nicht, zieht man auch gerne einen ollen Typen namens Goethe aus dem Hut, den man allerhöchstens noch aus der Schulzeit kennt, als man unter Androhung einer schlechten Note zwangsläufig einige Fakten zu dieser abstrakten Gestalt auswendig lernen musste. Dies nennt man Stadtgeschichte und scheint für die Stadt auch irgendwie mit Kultur zu tun zu haben.

Aber sonst? Eine lebendige Musikszene? Ein wenig Popkultur? Leider Fehlanzeige. Es ist auch genau nichts, nichts, nichts, das Frankfurt jungen und engagierten Musikern aus den eher alternativen Bereichen bietet. Kein Publikum, keine Szene, keine Infrastruktur, nichts.
Die klimatischen Bedingungen für ein solches Umfeld sind katastrophal. Popkulturell ist Frankfurt eine trockene Wüste. Nichts kann entstehen, nichts kann wachsen. Frankfurt ist so gut wie tot.

Eine Stadt, die sich seit jeher im Glanz der verspiegelten Fassaden ihrer Bankenhochhäuser sonnt, die Upperclass-Feste als Kulturgut verkauft und sich ansonsten nur um ihre Banken und ihre Shoppingmeile sorgt, schafft offenbar ein Klima, in dem sich vorrangig Freunde drehender Platten und bunter Cocktails ansiedeln. Das ist toll, sofern man solche Vorlieben hat. Die Afterwork- und Partyszene als wichtiges Nightlife Aushängeschild der Stadt, mag ihre Anhänger zufriedenstellen. Wahrscheinlich zu Recht. Nach eingehendem Studium so einiger Selfie-Publikationen aus entsprechenden Locations, scheint sie sogar so gut zu sein, dass ihre Besucher überdurchschnittlich häufig den inneren Drang verspüren, mit ihren beiden Händen spontan ein Herz zu formen, um ihre Liebe zum Ausdruck zu bringen. Immerhin etwas.

Aber Heldinnen und Helden werden weder nach der Arbeit, noch in der Cocktail Lounge geboren.

Konzerte nur der günstigen Lage wegen

Aus einer lebendigen und reichhaltigen Musikszene erwächst ganz natürlich auch eine interessante und aktive Konzertszene. Aber wer nichts sät, kann auch nichts ernten. Entsprechend schlecht aufgestellt ist die Möchtegern-Großstadt am Main in Sachen Konzerte. Nur wenige Bands aus der kleinen bis mittleren Größenordnung haben offenbar noch den Drang in Frankfurt zu spielen. Tendenz seit Jahren sinkend. Warum auch? In Frankfurt fehlt schlicht und einfach das entsprechende Publikum. Ein Publikum, welches organisch aus einer bestimmten Musikszene erwächst, die es in der Stadt der Banken nicht gibt.

Wenn Frankfurt nicht zufällig ein zentraler Verkehrsknotenpunkt wäre, würden in dem genannten Segment wohl gar keine Konzerte mehr stattfinden. Durch die zentrale Lage verirren sich auf der Durchreise nach Hamburg, Köln und Berlin aber manchmal doch noch vereinzelt Bands und Künstler in die langweilige Stadt am Main, um ihr Glück auf einer der wenigen geeigneten Bühnen zu versuchen. Vielleicht nur einmal, vielleicht nie wieder. Es ist schon fast egal.

Fehlende Subkultur ist kein Kavaliersdelikt

Ja, Frankfurt schneidet regelmäßig gut ab, wenn die Stadt aus Sicht von Touristen bewertet wird. Für einen 2-Tage Besuch hat die Stadt zweifelsohne ihre Stärken. Hochhäuser, Shoppen, Fressen, Saufen, Zeil und ein wenig Mainstream-Kultur. Als Andenken nimmt man neben ganz vielen Skyline-Fotos vielleicht noch ein beliebiges Produkt mit Bembelmuster mit nach Hause. Oder etwas Goethe. Das kann Frankfurt gut und das kommt bei Touristen entsprechend an. Aber Subkultur? Musikszene? Mal etwas anderes? Nein, so etwas führen wir nicht. Wir sind Frankfurter. Wir sind seriös. Kultur ist bei uns entweder völlig verkopft oder ess- und trinkbar.

Die für jede Großstadt so wichtige Popkultur entsteht oft aus Subkultur. Ist aber schon diese nicht vorhanden, führt das zu einem Vakuum, das jede weitere Entwicklung in diesem Bereich verhindert. Dabei beeinflusst Popkultur so ziemlich alle Bereiche des Lebens und nicht selten entstehen aus ihr Industrien, die das Bild einer Großstadt entscheidend prägen. Selbst bis hinein in die Politik reichen popkulturelle Einflüsse.

Für eine Großstadt wie Frankfurt ist die Abstinenz einer lebendigen Subkultur nicht nur einfach ein kleines Ärgernis. Nein, das Frankfurter Vakuum ist eine große Katastrophe und bildet die Grundlage für nichts, nichts, nichts. Denn von nichts kommt nichts und aus nichts, kann auch nichts erwachsen. 5 Euro in das Phrasenschwein.

Das offene, vielfältige und sehr kreative Berlin, wie wir es seit Jahrzehnten kennen und schätzen, wäre ohne eine Vielzahl solcher Szenen vermutlich gar nicht erst entstanden. Bestimmte Bereiche aus Mode, Kunst und Musik entspringen oft einer gewissen Subkultur, aber auch Festivals, Kongresse und sogar Medien können aus ihr erwachsen – auch das zeigt das Beispiel Berlin. Die Transformation von Sub- zu Popkultur ist in vielen der genannten Bereiche längst geschehen. Ganze Industrien haben sich um diese Themen angesiedelt, ohne die eine weltoffene Großstadt ihre Pforten schließen könnte. Es sind genau diese Themen, die sowohl Stadtbild und Image einer Stadt mehr prägen, als protzige Hochhäuser und clean sanierte Altstädte.

Ist eine Großstadt entsprechend aufgestellt, dann entsteht in ihr ein gewisses Lebensgefühl. Das Gefühl, dass jederzeit so vielen passieren kann, dass so vieles möglich ist, dass es keine Hindernisse gibt. All das spürt man in Frankfurt nicht. Stattdessen Vakuum und Stillstand. Hier sind selbst die Alternativen mittlerweile langweilige Spießer.

Fehlende Subkultur ist kein Kavaliersdelikt und zeigt sich in der Abwesenheit von so vielen wichtigen Entwicklungen. Ohne einen kreativen Nährboden trocknet die Stadt aus, verliert an Attraktivität und verharrt in einem Kleinstadt-artigen Dornröschenschlaf. Städtisch verordneter Spaß in Form von sommerlichen Volksfesten ist hier das Höchste der Gefühle. Sofern die Lärmschutzrichtlinien eingehalten werden.

Social Web Wüste Frankfurt

Diese fehlende Subkultur und in der Folge die mangelnde Reibung am stromlinienförmigen Frankfurt, ist auch dafür verantwortlich, dass die kleine Stadt am Main nicht nur im angesprochenen kulturellen Bereich so traurig einseitig aufgestellt ist. Auch in der digitalen Social Web Welt gleicht Frankfurt einer Wüste, die jede Form von Kreativität oder gar Relevanz vermissen lässt. Das ist kein Wunder, da das Netz auch immer ein Spiegelbild der aktuellen Gesellschaft ist. Wenn das Benzin auf Dauer fehlt, bedarf es keiner Motoren.

Der fehlenden Perspektive der Straße folgt die Lethargie im Netz.

So haben selbst Frankfurter Blogs, deren Aufgabe es auch ist, die kleinen Nischen zu beleuchten, die in den Massenmedien noch keine Beachtung finden, selbstgefällig und meist arm an Worten nicht viel mehr zu verkünden, als die nächsten Flohmarkttermine oder die Eröffnung der x-ten Burgerbraterei. Satt, selbstzufrieden und mit einer fast schon ironisch wirkenden Happy-Happy-Frankfurt Attitüde versucht man verzweifelt die lokale Fahne hoch zu halten und arbeitet sich im holprigen Schweinsgalopp an kulinarischen Empfehlungen für die Mittagspause ab.

Na klar, Essen geht immer, wenn alles andere langweilig ist. Über irgendetwas muss man ja schreiben. Nirgendwo wird das so sichtbar wie im digitalen Frankfurt, wo Kurzaufsätze über Imbissbuden schon euphorisch als der heißeste Content der Netzgemeinde gefeiert werden.
Es fehlt ebenso an spannenden Themen wie an neuen Entwicklungen. Es fehlt an Diskurs und an der notwendigen Reibung. Es fehlt an lauten Stimmen, an starken Meinungen und an Gegenpositionen. Es fehlt an so vielem. Das lokale Netz ist hier mehr Verwalter als Gestalter. Es ist ein gar trauriges Bild.

Go, Fuck Your Skyline Selfie

Am Ende des Tages ist es offenbar nicht die von einer städtischen Vermarktungsgesellschaft oder einem städtischem Amt veranstaltete Kultur der gehobenen Mittelschicht, die Neues und Interessantes entstehen lässt. Klimaänderungen können nicht verordnet werden, warum sollten sie auch. In Frankfurt scheint man mit dem Status Quo vollumfänglich zufrieden zu sein. Für Veränderungen besteht kein Anlass. Tradition ist Tradition, und sei sie auch nur ironisch ausgelebt. Solange der Apfelwein schmeckt, ist hier alles in Ordnung. Uns geht es doch gut. Wir sind in 10 Minuten auf der Zeil, dort gibt es sogar Punks. Und dann liegt die Stadt ja auch so verkehrsgünstig. Darauf ein Stöffche.

Danke Frankfurt! Für nichts, nichts, nichts. Go, Fuck Your Skyline Selfie.

PS: Dieser Artikel bedient sich gelegentlich der Überspitzung als Stilmittel. Natürlich bietet das skizzierte Frankfurter Dilemma auch einige positive Ausnahmen. Und zwar …

PPS: Das Debütalbum „Satt“ von Schnipo Schranke erscheint am 4. September 2015 und am 30.10. spielt die Band in ihrer alten Heimat Frankfurt im Zoom. Vielleicht wird es ja voll. Vielleicht auch nicht. Eigentlich ist es egal.

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Marius Anatol

Hello, ich bin Marius Anatol aus Frankfurt am Main. Ich interessiere mich für Musik, IT, Medien, Politik und das Interweb. Du findest mich auch auf Google+, Twitter, Ello und Facebook.

17 CommentsHinterlasse einen Kommentar

  • Wenn hier also auch das richtige Publikum fehlt, um andersartige Strömungen aufzunehmen und zu reflektieren, wie kann dann (systemisch betrachtet) eine Andersartigkeit wahrgenommen werden?

    Ich gebe Dir in einigen Punkten recht, sehe das mit der Öde im Netz aber nicht so streng (auch weil mir da der Vergleich fehlt) und ziehe bei einer Wahl zwischen Berlin, Hamburg oder FFM (als geborener Hamburger, btw) FFM vor. Auch weil man hier aufgrund der Leere noch mehr Wirkungsraum hat.

    Allerdings darfst Du auch nicht vergessen, dass ja bei so Kreativen wie Dir die Luft nach oben hin recht dünn ist und es da nur noch wenig gibt, was wirklich inspirieren kann und motiviert.

  • Hallo Marius,
    kann Deinen Frust zum Teil nachvollziehen, sehe das aber ein bisschen anders. So ein Szenebash ab und an ist ja mal sehr erfrischend und reißt Involvierte im besten Fall auch mal aus der bequemen Selbstgefälligkeit – habe das vor 150 Jahren in der längst verblichenen „az-Frankfurter Stadtillustrierte“ auch mal getan und gewann damit das erste Mal den Eindruck, gelesen zu werden nachdem ich kritisiert, beleidigt und sogar dafür getreten wurde. Aber eben auch wahrgenommen.
    Nun bin ich jeder Szene längst entwachsen, bekomme aber als überzeugter Rock’n’Roll- und gelegentlicher Hip Hop- und Jazz-Hörer durchaus noch ein wenig mit. Den Artikel von Linus Volkmann im ME habe ich auch gelesen; allerdings eher, weil ich seine Art zu schreiben mag. Die Musik der Mädels findet nicht auf meinem Planeten statt, muss ja auch nicht. Die der Hamburger Referenzen Ted Gaier und Rocko Schamoni übrigens ebenso wenig.
    Ich bemerke i.d.R. aber für die Musik, die mich interessiert, eine Menge Publikum in FFM, welches höchstens durch die Tatsache am Konzertbesuch gehindert wird, dass am selben Tag diverse Veranstaltungen für den gleichen Geschmack stattfinden. Viele aus diesem Publikum streuen ihre Ansichten darüber in Blogs (ich auch), unendgeltlich und aus Liebe zu dieser Kulturform. Teilweise unterirdisch mies, teilweise mehr als gewinnbringend für die Leser. Andere fühlen sich inspiriert, selber Musik zu machen. Ich habe in den letzten Jahren viele Bands in FFM entdeckt, die ich nicht kannte und die mich sehr beeindruckten ob ihrer stilistischen Offenheit und ihrem musikalischen Grenzgängertum (vor allem im Elfer und in Das Bett). Ein paar davon spielen auch auf dem Museumsuferfest, zwischen den, auch in meiner Welt, „fürchterlichen Coverbands“.
    Ich sehe also durchaus kreative Subkultur in Frankfurt und Umgebung, verstehe also deinen Unmut nicht, auch wenn ich die beschriebenen Beispiele aus der Festivalwelt ebenso beschissen finde. Es bleibt aber noch genug übrig, was man aktiv und passiv genießen kann. Früher hatte ich auch das Gefühl, dass anderswo mehr los ist. Inzwischen nicht mehr. Vielleicht, weil ich mit Schnipo Schranke nichts anfangen kann. Aber es gibt ja auch noch anderes, Hip Hop zum Beispiel. Wir haben Schwester Ewa, wir (mit Offenbach) haben Haftbefehl und die dazugehörenden Crews. Das ist ja wohl eine Szene, die Underground war, Mainstream ist bzw. wird und der man ja wohl kaum mangelnde Innovation vorwerfen kann, auch wenn man das vielleicht nicht mag. Soll die andern sich an der grünen Soße laben, ich habe auch ohne den Scheiß genug zu tun in meiner Freizeit. Und wenn jemand über kreatives Essen bloggt (mach ich vielleicht ja auch bald, spätestens wenn ich in Rente gehe) dann ist das auch gut so und wird von mir gerne angenommen.
    Trotzdem Danke für Deinen lesenswerten Bericht. Beste Grüße, micha

  • Danke für den Artikel.

    Nach über 10 Jahren OF (jaja!) & FFM als Musiker, DJ & Kreativer (Agentur und so) verschiedener Projekte und zahlloser Gigs hier & in D. & im Ausland kann ich das ganze absolut bestätigen: Keine Ressourcen, kein Feedback. Nichts eben. Ich kenne nahezu sämtliche Clubmacher, Organisatoren etc. die in Frankfurt eine tragende Rolle spielen, und die im Prinzip alles das genau so darlegen, haben sie nicht gerade eine sichere Fanbase, die ihnen die Miete bezahlt. „Wie soll man das ändern?“ haben wir uns immer & immer wieder überlegt. Schwierig, wenn’s Publikum nix will. Als witzigstes Argument habe ich einmal ernsthaft gehört „Weil Frankfurter sich so schnell langweilen.“ Wovon denn?? Wer nix kennt, weiß auch nix.

    Wohnungssuche Berlin läuft übrigens aktuell. Wird langsam teuer, hier zu wohnen & woanders zu spielen. Jaja.

  • Ein schöner Beitrag auf jeden Fall, stimme dir zu 50% zu und finde dein Blog auch sonst sehr lesenswert!
    Bin aber eher der Meinung von micha.
    Klar kann man das Verschwinden von subkulturellen Angeboten (mein Gott, wie mir z.B. die Frida fehlt!), aber dafür enstehen auch immer wieder neue Sachen nicht nur auf musikalischem Gebiet, so z.B. „Theke, Texte, Temperamente“, „Frankfurt Walking“, Diary Slam, die LiteRadTour usw., von den nicht groß beworbenen Raves, Kleinstkonzerten oder Vernissagen mal ganz abgesehen.
    Das Konzertangebot von Kapp, nachtleben, Bett bis hin zu kleineren Clubs oder Bars (z.B. Tiefengrund, Feinstaub) ist mehr als ein Bestager wie ich physisch längere Zeit am Stück verkraften kann.
    Liegt wahrscheinlich an meinem Musikgeschmack.
    Der übrigens auf dem MUF, nicht nur, aber auch, von den Feinstaubbühnen aufs vortrefflichste bedient wird!
    Unbestritten, daß das Angebot an wirklich sehenswerten Konzerten auf dem MUF leider aufgrund von irgendwelchen Auflagen (das kennt man ja leider schon vom STOFFEL) zunehmend eingeschränkt wird (Museum für Weltkulturen z.B.).
    Der Stadt Frankfurt (Parlament/Verwaltung) allerdings den Vorwurf zu machen, zu wenig zu fördern, karikiert m.E. den Gedanken der Subkultur!
    Deine Kritik an der hiesigen Bloggerszene kann ich absolut nicht teilen, das ist mehr als ich während eines ganzen Arbeitstages lesen kann! Und da geht es nicht ums Essen ;-)
    Die hiesige Street-Art-Szene ist übrigens auch nicht zu verachten!
    Ich bleibe dabei: Berlin kann jeder, Frankfurt ist Kunst!

  • Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können! Genau meine Worte, und wann auch immer ich sie vortrage, schaue ich nur in unverständnisvoll guckende Gesichter. Offensichtlich scheint die meisten das kulturell Weichgespülte nicht zu stören. Es ist doch soooo schön auf dem Museumsuferfest!

    Hoffen wir einfach auf Offenbach, und dass der Mainstream Geschmack sich dort nicht durchsetzen wird! :)

  • In einem frankfurt-blog zu staenkern es gaebe keine social media kultur um frankfurt ist wie dem technischen support eine email zu schreiben „ich glaube meine emails werden nicht versendet“

    So schlecht kann es in der social media welt un frankfurt nicht gehen wenn du mit deinem (80% wiederholung, 20% aussage) text gesehen und gehoert wirst.

    Das ganze liest sich wie „ich will weg von frankfurt, hab aber keine kohle und keinen mut dazu“

    Es gibt genuegend subkulturen hier die du anscheinend nicht kennst. Auch viele dinge die es in anderen staedten nicht oder erst jetzt so langsam existieren

    Was die musikwelt angeht so tuts mir leid um die deutsche pop-maschine aber hip hop und techno sind nun mal in frankfurt tief drin und das kann keiner bestreiten.

    Dass frankfurt hier und da seine maengel hat mag zwar stimmen aber man darf auch nicht vergessen dass diese grossstadt laecherliche 700.000 einwohner hat im gegensatz zu (meiner meinung nach viel zu oft hochgelobten) hamburg und berlin. In berlin ist das motto „arm aber sexy“ und das sieht man ueberall und ist ja irgendwann auch langweilig. Jede stadt hat seine ups and downs. Medienwirksam in die hand zu spucken die dir hilft ist aber so oder so das letzte. Daher finde ich diesen beitrag (der sowieso nicht objektiv sondern hoechst subjektiv ist) mehr als daneben

  • Sorry, aber das ist ja echt ein Schwachsinn!!! Es tut mir wirklich Leid für Euch, dass Ihr Euch in Frankfurt als Musiker nicht durchsetzen konntet…liegt aber vielleicht nicht nur am Publikum!
    Wer sagt denn, was eine coole künstlerische Subkultur ist? Ich maße mir nicht an, zu beurteilen, wer ein guter und wer ein schlechter Künstler ist…liegt nämlich tatsächlich im Auge des Betrachters. Frankfurt zu verteufeln, weil man Euch hier nicht bejubelt hat, das ist nicht Euer Ernst? Das legt man doch im Kindergartenalter ab!
    Ich persönlich brauche das pseudointellektuelle Berliner Publikum, das so wahnsinnig cool antisystemisch und anti Mainstream ist überhaupt nicht.
    Ich gehe gern zu jeglichen Strassenfesten in Frankfurt und auch wenn es überraschend ist…nicht um mich ins Koma zu saufen, sondern mich mit Freunden nach einem harten Arbeitstag zu treffen und sich auszutauschen.
    Wenn ich damit nicht in Euer Weltbild passe, fein für mich….Ich will da gar nicht rein. Ich bilde lieber meine eigene Subkultur.

  • Gehöre zwar auch nicht mehr zur Zielgruppe jung, dynamischer Subkultur, kenne aber die angesprochenen Städte recht gut, da ich dort jeweils einige Jahre gelebt habe und Leute kenne, die sich in ebensolcher rumtreiben.

    “ Im Vergleich zu Hamburg ist Frankfurt diesbezüglich traurigstes Ödland.“

    Ich gebe zu, dass es in Frankfurt anstrengend war abseits des Mainstreams gute Live-Gigs zu finden. Aber selbst wenn man nur die Programme der o.g. „Kapp, nachtleben, Bett bis hin zu kleineren Clubs oder Bars …“ etc. verfolgt hat, war das Angebot klein aber fein.

    Ich lass mal Berlin außen vor…einfach zu groß und zu vielfältig, um als Vergleich zu dienen.

    Aber ich lebe aktuell seit 4 Jahren in Hamburg (deutlich größer als Frankfurt)…erzählt mir doch mal, wo die vielgepriesene Subkultur ist, wenn ihr über 25 („Kinder“-Clubs) und keine Rock, sowie Schlager Fans seid.

    Ja, es gibt sie, … auch ich neige zur Überspitzung, aber für eine Stadt dieser Größenordnung ist das Angebot verdammt ein-dimensional und es ist ebenso anstrengend Außergewöhnliches zu finden.

    „Reeperbahn Festival oder MS-Dockville…“ das meinst Du jetzt nicht ernst oder? Hat genauso viel mit Subkultur zu tun, wie der Schlager Move….

    Bitte, bitte, ich such ernsthafte Tipps für das aus meiner Sicht Hamburg Ödland….

  • …oder das Women of the World-Festival. Da freue ich mich jedes Jahr drauf, wenn die Künstlerinnen bekanntgegeben werden.

    Vielleicht ist Frankfurt kein gutes Pflaster, um als Newcomer den Durchbruch zu schaffen, aber hier kommt fast alles vorbei, was ich sehen möchte und wenn das mal nicht der Fall ist, bin ich einer Stunde mit dem ICE in Köln.

    Was ist bei Dir die kleine und mittlere Größenordnung? Also ich finde, dass in der Kapp, Zoom, Bett, Color-Saal, Gibson, etc. einiges Auftritt und für fast jede Größenordnung eine entsprechende Location vorhanden ist. Ansonsten gibt es es im Sommer mit dem Trebur Open Air und dem Soundgarden Festival auch noch Veranstaltungen jenseits der Fressbuden-Feste.

  • hehe, sehr treffend formuliert. im gegensatz zu so manch anderem hier kann ich die intuition zu diesem post gut nachvollziehen. manche anderen scheinen ja entweder nicht richtig gelesen oder nichts verstanden zu haben. jules ist wohl besonders merkbefreit, oh mann.
    aber mal was zum hamburg mann michael, weil es mir unter den nägeln brennt und weil ich selber in hamburg lebe: wenn du vier jahre lang im hamburg nichts gefunden hast, dann tust du mir echt leid. aber wenn man dockville mit schlager move vergleicht, dann kann ich dir sowieso nichts empfehlen, das ist einfach nur lächerlich. warum wohl kommen so viele gute und erfolgreiche bands aus hamburg? bestimmt nicht, weil es dort nichts gibt. und warum kommen wohl keine aus frankfurt? merkst du was?
    ich habe schon für mehrere labels und agenturen im indie bereich gearbeitet und mache simmer noch und es ist kein zufall, dass die mädels nach hamburg kamen. wir haben es auch schon mit verschiedenen bands in frankfurt versucht, mehrfach, aber keine chance. die hatten dann auch kein bock mehr vor 10 leuten zu spielen, wobei 5 davon personal waren. hatten wir alles schon. finanziell ist das ein desaster, da musst du schon gut planen, wenn du keine großen verluste machen willst. frankfurt lässt man deshalb am besten außen vor, dort ist es zappenduster. das geschäft ist schon hart genug geworden, da muss man sich nicht auch noch selber quälen. intern ist frankfurt bei uns auf der no-go liste. kann man niemandem empfehlen. versuchen wir auch nur noch in ausnahmefällen und wird sehr genau abgewogen.
    ich habe einige gute freunde in frankfurt und ab und zu bin ich auch noch dort. dann gucke ich manchmal in stadtmagazine und wundere mich über die leeren veranstaltungsseiten. klar, ist eine kleine stadt und so, aber trotzdem.
    Ja okay, techno ging dort früher mal ganz gut, aber das ist auch schon lange weiter gezogen.

  • Hi Tilo,

    mit Ironie hast Du es nicht so :-) – stimmt’s?

    Abgesehen davon habe ich auch nirgendwo geschrieben, dass es in Frankfurt besser als in Hamburg war. Ich bin nur enttäuscht, wie anstrengend es im „großen“ Hamburg ist, wirklich gute und außergewöhnliche Musik (zumindest für meinen Geschmack zu finden). Und wenn ich Kenner, wie Dich nach konkreten Tipps frage, dann kommt immer nur wie toll alles in Hamburg ist (selten in einer Stadt soviel überbordenden Lokalpatriotismus erlebt). Aber wirklich etwas, was über den hamburg-magazin.de Veranstaltungskalender hinaus geht, leider nur selten.

    Und zum Thema erfolgreiche Bands aus Hamburg. Klar gibt es die, aber Du wirst wenn Du Dich auskennst, kaum bestreiten, dass die meisten eher aus NRW stammen:

    Hab mir den Spaß gemacht zufällig eine Top Twelve Liste (egal welche Liste Du woher nimmst, ich behaupte, dass meine Kernaussage stimmt) zu googeln und zu schauen, wo die Bands herkommen:

    http://www.thetoptens.com/best-german-bands/

    Rammstein – Berlin
    Tokio Hotel – Magdeburg
    Scorpions – Hannover
    Helloween – Hamburg
    Kraftwerk – Düsseldorf
    Blind Guardian – Krefeld
    Kreator – Essen
    Accept – Solingen
    Sodom – Gelsenkirchen
    Oomph! – Braunschweig
    Die toten Hosen – Düsseldorf
    Avantasia – Fulda

    Letztendlich ist mir aber egal wer Recht hat, ich wünsche Frankfurt, dass es mit der Musikszene aufwärts geht und mir, dass ich endlich mehr ausgefallene Tipps für Hamburg bekomme, wie ich sie für Berlin kenne.

  • Tokio Hotel, Scorpions, Helloween?????? hahaha michael, wie bist du denn drauf? jetzt musste ich eben nochmal den artikel lesen um mich zu vergewissern, dass das thema nicht geändert wurde. hier wurden doch ganz klar hamburger bands und somit eine eindeutige richtung genannt, also indie, was soll denn dann diese völlig unpassende aufzählung? oder enterst du auch ein vegetarier forum um dich dort über rindersteaks zu unterhalten? sowas machen nur trolls, sorry. selbst WENN bands nicht ursprünglich aus einer stadt kommen, sich aber trotzdem dort versammeln, ist das doch genau das hier besprochene thema, das dort eben eine funktionierende szene exisitiert. die bands gehen ja nicht dorthin, weil es dort nichts gibt, die gehen da hin, wo sie die besten chancen haben um was zu rocken. oh mann. ich kanns dir nur nochmal aus meinem umfeld sagen, so eine szene besteht aus vielen wichtigen komponenten, labels, agenturen, verlagen, studios, produzenten, clubs, bühnen, publikum, fans, stimmung, infrastruktur, medien, magazine, newsletter, netzgruppen, ruf, politik, und so weiter und so fort. nun denn, wünsche noch was :)

  • Ich finde es gut, dass Frankfurt mal der Spiegel vorgehalten wird! Die Subkultur in Frankfurt ist verschwindend gering. Das war auch schon damals in meiner Jugend vor ca. 100 Jahren nicht anders. Schnipo Schranke sind nicht die einzigen, die deshalb abgewandert sind. Das muss sich Frankfurt gefallen lassen! Vielleicht ändert sich jetzt mal was…

  • … Ach ja, und wenn wir schon so eine tolle Listen machen. Hier mal eine von mir, mit den Bands die mir spontan einfallen, wenn ich an Frankfurt bzw. Hamburg denke:

    Hamburg:
    Die goldenen Zitronen
    Die Sterne
    Blumfeld
    Tomte
    Kettcar
    Tocotronic
    Deichkind
    und noch ein paar NDW-Sachen

    Frankfurt:
    Sven Väth
    Jam & Spoon
    Snap!
    Rödelheim Hartreim Projekt (Moses P.)
    Sabrina Setlur
    Haftbefehl (aus OF)
    Mark Medlock
    Die bösen Onkelz

    Jetzt darf sich jeder die eigenen Schlüsse daraus ziehen…

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