Der total ausführliche Wahlplakate-Check für Frankfurt

In Frankfurts Straßen herrscht derzeit ein unübersehbarer bunter Kampf der Wahlplakate. Das liegt natürlich zum einen an der am 22. September 2013 anstehenden Bundestagswahl, aber mindestens im gleichen Maße auch an der an diesem Tag parallel stattfindenden 19. Wahl zum Hessischen Landtag. Ein solcher Superwahltag hat natürlich auch eine Superplakatierung zur Folge, die es in diesem Artikel ausführlich zu analysieren gilt. Hier gehen wir. Here we go.

Die Grünen

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Herr Omid Nouripour von den Grünen, der in seiner Freizeit angeblich manchmal als Rapper „MC Omid“ auftritt und außerdem Vorsitzender des Eintracht Frankfurt Fanclubs „bundesAdler e.V“ im Deutschen Bundestag ist, ist mir persönlich fast ausschließlich durch seine Äußerungen über seinen Lieblingsfußballverein bekannt.

Nun greift Herr Nouripour, der auf mich stets den Eindruck macht, als wäre er hauptberuflich Eintracht Frankfurt Fan, während er in seiner Freizeit das bizarre Hobby Politik betreibt, das für ihn persönlich offenbar extrem wichtige Thema Fußball auch in seinem offiziellen Wahlplakat auf. Das geht natürlich entschieden zu weit und wirkt ungefähr ähnlich traurig wie der derzeitige Tabellenplatz seines erklärten Lieblingsvereins.

Der lächerliche Claim „Frankfurter Bub im Bundestag“ unterstreicht darüber hinaus die Vermutung, dass die Grünen offenbar auf dem besten Wege sind, sich zu einer reinen Spaßpartei zu entwickeln. Auch wenn bereits Parteien vor den Grünen diesen Weg mit eher bescheidenem Erfolg einschlugen, so ist dieser Versuch dennoch legitim. Und zwar dann, wenn es um die Bewerbung für eine karnevalistische Büttenrede oder um die Wahl zum Mr. Autoscooter auf der Frankfurter Dippemess geht.

Nachdem der Versuch, ein wenig subtilen Humor im Wahlplakat des Fußballfans Nouripour unterzubringen, gründlich in die Hose ging, versucht auch das andere Plakat der Grünen verzweifelt lustig zu wirken, indem es das Wort „Mutter“ in einen Comedy-Kontext setzt. Damit verschrecken die Grünen nicht nur die Teile ihrer eigenen Wählerschaft, die sich über diese fehlerhafte Schreibweise des Wortes „Mutter“ wundern, sondern verulken sich unbewusst auf professionelle Art und Weise selber.
Deine Mudda isst am Veggie Day Rumpsteak mit Pommes. Und Du?

SPD

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Die SPD verfolgt mit diesen Plakaten klar erkennbar ihre bereits altbekannte Strategie namens „Der unbekannte Mann“. Mit dieser Strategie konnte die SPD in der Vergangenheit schon einen erstaunlichen Erfolg für sich verbuchen, als man im Jahre 2012 einen unbekannten Mann in Frankfurt plakatierte, der daraufhin völlig unverhofft Oberbürgermeister wurde.

Diesen Erfolg wird man mit diesen beiden unbekannten Männern ohne jegliche persönliche politische Aussage sicherlich nicht noch einmal wiederholen können. Auch deshalb nicht, da in den im September anstehenden Wahlen kein Oberbürgermeisterposten in Frankfurt zu besetzen sein wird.

Vielleicht verbergen die Plakate der unbekannten Männer ihre politischen Botschaften jedoch hinter den ominösen, technisch aufwändig produzierten QR-Codes, die auf diesen Plakaten abgedruckt wurden. Falls dies der Fall sein sollte, bleiben diese Botschaften für weite Teile der anvisierten Wählerschaft allerdings im Verborgenen. Denn mal ganz im Ernst, wer kennt schon potentielle SPD Wähler mit einem von diesen neumodischen Smartphones? Ich nicht.

FDP

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Auf den ersten Blick machen diese beiden FDP Plakate den Eindruck, als würden sie sich explizit an Freunde des alkoholischen Gerstensaftes und Fans von harter elektronischer Tanzmusik wenden.

Bei genauer Betrachtung erkennt man jedoch, dass die beiden Politiker der liberalen Partei nicht die wichtigen Themen Bier und Schranz in den Mittelpunkt stellen, sondern lediglich mit den lustigen Nachnamen Beer und Schanz ausgestattet wurden. Diese Tatsache nimmt der ganzen Angelegenheit sofort jegliche Spektakularität. Was bleibt sind vier austauschbare Worte, wie sie nicht beliebiger hätten ausfallen können. Entscheidend für Hessen? So sicherlich nicht.

Die Linke

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Die Linke setzt dieses Jahr vollständig auf das „genau so viel oder mehr“ bedeutende Adverb „mindestens“. Ganz sicher ist sich die Linke dabei jedoch noch nicht in der Schreibweise. Während es in ihrer Kampagne um jeweils am Zeilenende getrennte Begriffe wie Mindest-Sicherung und Mindest-Lohn geht, wird die Mindestrente nicht durch einen Bindestrich getrennt. Eventuell ist diese Beobachtung jedoch absolut unwichtig und entlarvt die mangelnden Orthographiekenntnisse des Autors dieses Artikels, falls es plausibel ist, dass nach Worttrennungen am Zeilenende in der nächsten Zeile mit Großbuchstaben begonnen wird.

Aber letztlich spielt Orthographie in diesem Fall auch keine entscheidende Rolle, denn es geht offensichtlich um die Message, die das Adverb „mindestens“ vermitteln soll. Für die Linken spielt dieses Wort nicht nur in ihren Forderungen einen zentrale Rolle, sondern mit großer Sicherheit auch in Bezug auf ihre politische Zukunft, für die sie mindestens 5% erreichen muss.

Unabhängig der Tatsache, dass die Linken dieses Jahr irgendetwas mit „mindestens“ machen, sind sie die einzige Partei, die auf ihren Wahlplakaten etwas konkreter wird. Da werden Forderungen Köpfen und Personen vorgezogen, für die auf den Plakaten kein Platz mehr war. Das ist grundsätzlich positiv zu bewerten, auch wenn diese teilweise populistisch klingenden Forderungen stets aus dem Wissen heraus entspringen, ohnehin keine Regierungsverantwortung übernehmen zu müssen. Fordern lässt sich in diesem Fall vieles.

Piratenpartei

piratenpartei
Hohle Phrasen und trashiges Wahlplakate-Design konnte die Piratenpartei schon immer. Und offensichtlich beherrscht sie nun auch die schwierige Disziplin Bart.

Dass allerdings in der pauschalen Behauptung auf dem Wahlplakat, die Piratenpartei könne Streitkultur, nicht allzu viel steckt, konnte man eindrucksvoll auf der Anti Prism Demo gegen Überwachung in Frankfurt erleben, als die Piraten Jörg-Uwe Hahn von der FDP während seiner Rede derart gellend auspfiffen, dass man als Zuhörer arge Schwierigkeiten hatte, auch nur einen zusammenhängenden Satz des FDP Politikers zu verstehen. Streitkultur bedeutet aber nicht nur, dass man selber den eigenen Standpunkt vertritt, sondern auch, dass man Anderen nicht abspricht, einen anderen Standpunkt zu vertreten. Genau dies tat die Piratenpartei jedoch. Streitkultur kann hier also höchstens im innerparteilichen Verhältnis vorhanden sein, während es in der öffentlichen Außendarstellung mehr um Pfeiffkultur geht.

Aber zurück zu den Plakaten, die oft mehr Fragezeichen als Antworten hinterlassen. Ich frage mich bei den Plakaten der Piratenpartei zum Beispiel oft, ob die dort abgebildeten Personen Politiker, Basispiraten oder gar Models aus einer Indie-Modelagentur sind. Vielleicht ist dieses Rätselraten jedoch der häufig gehörten Behauptung geschuldet, die Piratenpartei agiere nach dem Motto „Inhalte wären wichtiger als Köpfe“. Wenn jedoch beides nur andeutungsweise vorhanden ist, verpufft eine solche Plakatkampagne vollends, so wie bisher jede Piratenpartei Wahlkampagne aus meiner Sicht vollends verpufft ist. Sogar diejenige, auf der eine Katze abgebildet war. Dies wirkt umso tragischer, da Katzenabbildungen im allgemeinen sehr schwer zu verpuffen sind und besonders im natürlichen Lebensraum potentieller Piratenwähler einen hohen Stellenwert genießen.

Ohne Rücksicht auf Style, Design und Botschaft fährt die Piratenpartei weiterhin ihre wohlbekannte Schiene der Plakatierung von schräger Trash-Ästhetik. Dies macht die Piratenpartei allerdings mit hartnäckiger Kontinuität und bildet somit geschickt ihr Real-Life Image irgendwo zwischen Trash und unfreiwilligem Klamauk auch auf ihren Wahlplakaten ab. Wer auf Dadaismus steht, Überraschungstüten liebt, es lieber schräg anstatt politisch mag, und sowieso nicht wissen möchte, für was eine Partei eigentlich steht, kann sich bedenkenlos eines der Piratenpartei Wahlplakate in den Hobbykeller neben das Linux-Poster hängen.

CDU

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Die CDU meistert auf ihrem Wahlplakat eindrucksvoll das schwierige Kunststück, volksnah und weltfremd zugleich zu wirken. Ja, natürlich, Hessen bleibt sicher. Und zwar immer dann, wenn der amtierende hessische Ministerpräsident Volker Bouffier frisch verföhnt in einer S-Bahn Platz nimmt und höchstpersönlich für die Sicherheit und Unterhaltung von älteren Alleinreisenden Damen im schienengebundenen Nahverkehrssystem sorgt. So mögen wir unseren Volker.

Für dieses löbliche Engagement bedanken wir uns recht herzlich und wünschen ihm aufgrund seines Wahlplakates, das nicht weltfremder hätte ausfallen können, bereits jetzt einen guten Start in die vorgezogene Altersrente.

Das andere Wahlplakat der CDU zeigt Frau Bettina M. Wiesmann, die erst kürzlich spektakulär als vermutlich erste Politikerin der Welt einen Zoo-Spaziergang mit Brüllaffen und Brillenbären unternahm. Unklar ist, ob in Zukunft ähnlich tierische Aktionen geplant sind, wie etwa Bratwurst-Essen mit Schweinen oder Mäusemelken mit Nagetieren.

Auch wenn Tiere derzeit noch vom Hessischen Wahlrecht ausgeschlossen werden, kann man aufgrund von Frau Wiesmanns Zoo-Aktion gepaart mit ihrem Motto „Vielfalt leben. Chancen geben“, auf eine zukünftige Aufweichung dieser Einschränkung hoffen. Wir wissen nicht welche Partei Brillenbären und Brüllaffen wählen würden, fordern aber „Tiere an die Macht!“ und hoffen, dass Frau Wiesmann in Zukunft nicht nur diese beiden Spezies zu politisch motivierten Freizeitaktivitäten einlädt.

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Marius Anatol

Hello, ich bin Marius Anatol aus Frankfurt am Main. Ich interessiere mich für Musik, IT, Medien, Politik und das Interweb. Du findest mich auch auf Google+, Twitter, Ello und Facebook.

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