Open Air Rock Circus mit Black Sabbath in Frankfurt am Main 1970

Im Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen gibt es einen schönen Eintrag über das erste international besetzte Open Air Festival in der Bundesrepublik Deutschland. Diese Festival hieß „Open Air Rock Circus“ und fand vom 20. bis zum 21. Juni 1970 in Frankfurt am Main statt.

Mit einem Eintrittspreis von 28 Mark für beide Tage lockte man damals insgesamt ca. 10.000 Zuschauer in das Rad-Stadion in Frankfurt/Niederrad, in dem man mit Deep Purple und Black Sabbath zwei Hochkaräter im Lineup hatte, deren Karrieren gerade erst Fahrt aufgenommen hatten.

Von dieser Veranstaltung gibt es auch diese sehr schöne Videoaufnahme, die wohl im Rahmen einer Dokumentation entstand und vermutlich Aufnahmen vom Süddeutschen Rundfunk enthält. Aus nächster Nähe gefilmt sieht man dort den jungen Ozzy Osbourne mit seiner Band Black Sabbath, wie sie am helllichten Tag den Song „War Pigs“ spielen. Nach einem harten Schnitt gegen Ende dieses Videos werden noch einmal Black Sabbath präsentiert, wie sie in einem Boxring den Song „Iron Man“ spielen. Es wird leider nicht ganz klar, in welchem Zusammenhang diese beiden unterschiedlichen Auftritte stehen.

Ein bemerkenswerter Teil dieses Videos sind die eingeblendeten Untertitel, die in leicht genervtem Tonfall immer wieder die Gagen der Künstler thematisieren. Laut dieser Untertitel hätten Black Sabbath am Anfang des Jahres 1970 als namenlose Band noch für 500 DM in kleinen Clubs gespielt, während ihre durchschnittliche Gage zum Zeitpunkt der Aufnahmen, also Mitte des Jahres, bereits bei 7.000 DM gelegen hätte. Für ihren Auftritt beim Open Air Rock Circus in Frankfurt am Main bekamen sie laut Untertitel 4.000 DM.

Weiterhin wird behauptet, dass jede englische oder amerikanische Band insbesondere in Deutschland 50% mehr Gage als im eigenen Land bekäme. Schuld daran wären die Veranstalter, die jeden Preis akzeptieren würden. Die Untertitel schließen mit den Worten: „Und wer bezahlt den ganzen Krampf? Die jungen Typen, die ohnehin kaum Geld haben!“

Nach dem Schnitt in den Boxring werden zunächst kommentarlos noch weitere Gagen anderer Bands eingeblendet, wie zum Beispiel: Gage Blood, Swear+Tears 70.000.-, Ten Years After 50.000.-, Sly and The Family Stone 28.000.-, Ginger Bakers Airforce 25.000.- (Fehmarn), usw.
Abschließend stellt man vorwurfsvoll die Frage: „Wie lange wollt ihr diese Summen mitfinanzieren?“

Offensichtlich war der Autor dieser Untertitel über die Höhe der damaligen Gagen ernsthaft erbost und lies hier mehrfach seinen Unmut durchblicken. Eventuell sind diese Aufnahmen Teil einer weiteren Dokumentation über die walisische Rockband MAN, in der ein Sprecher ab ca. Minute 8 theatralisch über das Phänomen solcher Konzerte referiert und darüber hinaus in bereits aus dem Black Sabbath Video bekannter Manier über Gagen, Preise und kapitalistische Machenschaften herzieht.

“ … und ein paar korrupte Ärsche werden reich, weil wir gerne Musik hören, die sich absetzt von der kommerziellen Fabrikation der Unterhaltungsindustrie„, so der Sprecher.„Wann endlich boykottieren wir Veranstalter, die Wucherpreise verlangen?“

Einen interessanten Hinweis zu diesem Video habe ich übrigens bei Dangerous Minds gelesen. Dort merkt man an, dass das Black Sabbath Paranoid Album laut Wikipedia vom 16. bis 21. Juni 1970 aufgenommen wurde. Der letzte Tag dieser Aufnahmen ist allerdings der selbe Tag, an dem laut Einblendung der Auftritt in Frankfurt stattgefunden haben soll. Hier sieht man einige Unstimmigkeiten bezüglich des Zeitpunkts dieser Videoaufnahmen.

Schaut man sich allerdings auf einer großen Black Sabbath Fanpage um, die alle Tourdates und wichtigen Termine der Band seit 1968 auflistet, wird dieser Termin in Frankfurt bestätigt. Bestätigt wird dort auch der Aufnahmezeitraum des Paranoid Albums vom 16. bis 21. Juni 1970.

Die Aufnahmen zu diesem Album fanden in London statt und insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass die beiden Städte Frankfurt und London schon damals über die größten Flughäfen Europas verfügten, sollten diese Entfernungen auch 1970 schnell zu überbrücken gewesen sein. Mehr als von Unstimmigkeiten zeugen diese Daten eher von einem engen Terminplan der Band, die mitten in ihrer Tour zu ihrem Debütalbum „Black Sabbath“ noch Zeit fand, um innerhalb weniger Tage ein für das Heavy Metal Genre wegweisendes Album einzuspielen.

Wie auch immer all dies damals zustande kam, interessant sind diese Dokumente in vielerlei Hinsicht. Finde ich.

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Marius Anatol

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