Sascha Lobo präsentiert Sobooks auf der Frankfurter Buchmesse und ich frage mich, was ich davon halten soll

Sobooks Sascha Lobo
Einmal wachte ich mitten in der Nacht auf und konnte nicht mehr einschlafen. Ich blickte in den stockdunklen Raum, ertastete das Tablet, das neben mir lag, weil ich darauf zum Einschlafen ein Video geschaut hatte, und schaltete es ein. Als das Display erleuchtete, spürte ich einen grellen Schmerz in den Augen. Schnell schloss ich meine Augen wieder und versuchte mich langsam blinzelnd an die plötzliche Helligkeit, die mir unmittelbar in die Augen strahlte, zu gewöhnen. Aber es gelang mir nicht. Ich stellte die Helligkeit des Displays auf die niedrigste Stufe und versuchte auf diese Art und Weise meine Augen an das plötzliche Hell anzupassen, aber auch in dieser Einstellung schmerzten sie so stark, dass ich den Versuch aufgab und das Tablet wieder ausschaltete. Nachts sind alle Augen müde.

Frankfurter Buchmesse, 10. Oktober 2014, 10:10 Uhr

Heute stellte Sascha Lobo auf der Frankfurter Buchmesse sein neues Unternehmen namens Sobooks vor und gab gleichzeitig den Startschuss, für die allgemein zugängliche, offene Beta-Phase dieser Ebook- und Leseplattform, auf der man Ebooks kaufen, lesen und diskutieren kann. Sobooks steht für „Social Books“ und soll, wenn es nach Sascha Lobo geht, ein in Zukunft ähnlich häufig genutzter Begriff wie Ebooks werden.

Sobooks verwandelt herkömmliche Ebooks in HTML5 Webseiten, die man innerhalb eines Browsers lesen kann. Auf diese Art und Weise kann ein solches Sobook auf jedem Gerät gelesen werden, welches über einen modernen Browser und eine Internetverbindung verfügt. Solche Geräte können Notebooks, Desktop Computer, Tablets oder auch Smartphones sein. Für letztere beide Geräteklassen sollen in Zukunft auch eigenständige iOS und Android Apps bereitgestellt werden, mit denen es dann auch möglich sein soll, bei Sobooks gekaufte Bücher offline lesen zu können.

Neu am Prinzip Sobooks ist, dass an jedes Buch soziale Funktionen gekoppelt sind. So können Sobook-User zum Beispiel einzelne Sätze eines Buches auf den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und Google Plus teilen, oder sie als Email versenden. Als Sobook-User ist man also dazu in der Lage, einzelne Sätze von außen mit dem betreffenden Buch zu verlinken. Mit einem Klick auf einen solchen Link landet man dann direkt im Buch, und zwar genau auf der Seite, von der das verlinkte Zitat stammt. Würde von dieser Funktion in den sozialen Medien in Zukunft häufig Gebrauch gemacht, dann würde in der Tat die Sichtbarkeit von Büchern im Netz stark zunehmen. Vielleicht würden Bücher dann eines Tages im Netz so sichtbar sein, wie zum Beispiel Songs.

Das eigentlich spannende an Sobooks ist aber, dass man sich als Leser neben jeder einzelnen Buchseite einen Bereich einblenden kann, in dem man Kommentare schreiben und auf diese Weise mit anderen Sobook-Usern über die betreffende Textpassage diskutieren kann. Laut Sascha Lobo sollen sich auch die Autoren gelegentlich an solchen Diskussionen beteiligen. Eigene Kommentare können auch wieder auf den üblichen sozialen Netzwerken oder per Email geteilt werden, womit man dann andere User zu einer Diskussion einladen soll. Befürchtungen, solche Diskussionen könnten, wie so häufig im Web üblich, unschön aus dem Ruder laufen, nahm Sascha Lobo gleich den Wind aus den Segeln, da Sobook ein sehr aufmerksames und durchgreifendes Community-Management betreiben würde.

Buchvorstellung Aufstieg und Niedergang der Piratenpartei

Sobooks Lobo Lauer
Nach der allgemeinen Sobooks Präsentation, folgte die Vorstellung eines Buches, das im Vorfeld als geheimes Buchprojekt gehandelt wurde. Bei diesem Buch handelt es sich um ein neues Buch von Sascha Lobo und Christopher Lauer, das den schönen Titel „Aufstieg und Niedergang der Piratenpartei“ trägt. Christopher Lauer war von 2009 bis September 2014 eines der bekanntesten Mitglieder der Piratenpartei. In diesem Buch soll das Phänomen der langsam aber sehr sicher verblassenden Piratenpartei von innen und außen beleuchtet werden.
Dieses Buch wird am 27. Oktober erscheinen und zunächst nur bei Sobooks erhältlich sein. Bereits jetzt ist eine Leseprobe bei Sobooks verfügbar.

Interessiert mich das?

Auf mich macht Sobooks, trotz Beta-Version, einen guten Eindruck. Die Browseransicht der Sobooks ist schön schlicht und angenehm gestaltet. Die sozialen Funktionen zum Teilen, kommentieren und diskutieren stören in keiner Weise das Lesevergnügen im Browser und werden nur auf Klick eingeblendet. Mit einer Wischgeste von Mauszeiger oder Finger navigiert man geschmeidig zwischen den Buchseiten hin und her. Weiterhin hat man jederzeit Zugriff auf eine Suchfunktion und kann die Schriftgröße in 3 Schritten einstellen.

Obwohl ich diesen neuen Ansatz von Sobooks durchaus interessant finde, werde ich nach heutigem Kenntnisstand allerdings wohl eher kein regelmäßiger Sobooks Kunde werden. Aus folgenden Gründen:

Auch wenn ich es bisher noch nicht versucht habe, glaube ich nicht, dass ich Interesse daran hätte, mit anderen Usern über einzelne Textpassagen von Büchern zu diskutieren. Anders als bei Filmen, Serien und manchmal auch bei Musik, hatte ich in der Vergangenheit noch nie das Bedürfnis, mit anderen mir unbekannten Lesern über ein bestimmtes Buch zu diskutieren. Aber selbst wenn ich dieses Interesse haben würde, dann stünden mir eine große Auswahl von Foren oder sozialen Netzwerken zur Verfügung, in denen ich diesem Interesse nachkommen könnte. Ganz ohne Sobooks. Und das schon seit vielen Jahren.

Für mich persönlich ist das Lesen eines Buches ganz bewusst eine Auszeit von jeglicher Kommunikation. Sobooks bringt für meine Begriffe den hektischen Lärm des Internets in eine der letzten friedlichen Oasen der Ruhe und Entspannung, nämlich in das Buch. Vor ungefähr 6 Jahren mag diese Verknüpfung zwischen Buch und Internet noch einen fortschrittlichen Charakter gehabt haben. Heute jedoch, in einer Zeit der Reizüberflutung durch das Netz, in einer Zeit, in der immer mehr Menschen anfangen, sich bewusst aus dem digitalen Dauerstream auszuklinken, klingt dieses Konzept für mich eher rückständig.

Da ich ohnehin den ganzen Tag vor einem Monitor sitze, der mir aktiv in die Augen strahlt, genieße ich den Blick auf meinen alten Kindl Reader ohne Hintergrundbeleuchtung. Das Lesen eines Buches auf einem Tablet oder gar einem Smartphone, ist dagegen ein so großer qualitativer Rückschritt, der mir beim besten Willen nicht nachvollziehbar erscheint. Spätestens wenn man auf solchen Geräten versucht, bei direkter Sonneneinstrahlung zu lesen, wird man diesen Rückschritt deutlich spüren.

Die Tatsache, dass ich zum Lesen eines Sobooks ein Hightech-Gerät benötige, das eine Menge Strom verbraucht, schreckt mich persönlich ab. Zwar möchte Sobooks seinen Kunden in Zukunft auch die Möglichkeit anbieten, das gekaufte Buch in einem Ebook-Format downzuloaden, allerdings soll diese Möglichkeit nur ergänzenden Charakter haben und weiterhin nicht für alle Bücher verfügbar sein. In einer solchen Ebook Version würde ein Sobook darüber hinaus jegliche sozialen Funktionen verlieren. Der Namen Sobook, der für Social Book steht, wäre dann arg irreführend.

Das Buch „Aufstieg und Niedergang der Piratenpartei“ von Sascha Lobo und Christopher Lauer klingt interessant und landet auf meiner Liste der Bücher, die ich in naher Zukunft gerne lesen möchte. Sobald es davon eine Version für den Kindle geben wird, werde ich wahrscheinlich zuschlagen.

Irgendwann in naher Zukunft, werde ich vermutlich wieder mitten in der Nacht aufwachen und nicht wieder einschlafen können. Mein Tablet werde ich dann aus eingangs angeführten Gründen nicht mehr einschalten. Dementsprechend werde ich kein Sobook lesen können. Ich werde dann meine kleine Nachttischlampe anknipsen und ein Buch auf meinem uralten Kindl 4 lesen. Sollte mich die Nostalgie überkommen, vielleicht sogar ein Buch aus Papier. Dafür werde ich keine Internetverbindung benötigen. Ich werde auch weder Kommentare zu diesem Buch schreiben, noch Kommentare zu diesem Buch lesen. Ich werde nichts teilen, nicht auf Facebook, nicht auf Twitter und auch nicht auf Google Plus. Ich werde alles für mich behalten und ganz alleine in die zauberhafte Welt dieses Buches eintauchen. Niemand wird an meinem intimen Lesevergnügen teilhaben. Mir wird es sehr gut gehen.

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Marius Anatol

Hello, ich bin Marius Anatol aus Frankfurt am Main. Ich interessiere mich für Musik, IT, Medien, Politik und das Interweb. Du findest mich auch auf Google+, Twitter, Ello und Facebook.

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