Schach, Wovenhand und Schnipo Schranke

Bitte beschreiben Sie in eigenen Worten die herausragenden Ereignisse der letzten Tage. Ich mache es kurz: Schach, Wovenhand und Schnipo Schranke.

Zum einen verfolgte ich gespannt wie sich der junge Schachweltmeister Magnus Carlsen beim Vugar Gashimov Memorial Schachturnier in Shamkir/Aserbaidschan schlug, das zu Ehren des im Alter von nur 27 Jahren verstorbenen Schachgroßmeister Vugar Gashimov stattfand. Für Magnus Carlsen war dieses Turnier eine ungewohnte Achterbahnfahrt, denn nach zwei gewonnen Partien zum Turnierstart musste er auch zwei Niederlagen einstecken, und zwar direkt hintereinander. Dies ist ein Umstand, der für Carlsen alles andere als normal ist und neben seinen Haltungsnoten am Brett für mehr als genügend Gesprächsstoff in der Schachwelt sorgte. Zu guter Letzt konnte sich Carlsen mit einem herausragenden Sieg über Fabiano Caruana, gegen den er in der Hinrunde verlor, in der letzten Partie noch den Gesamtsieg des Turniers sichern. Well done, Mr. Carlsen!


Abseits des Spiels der Könige höre ich das musikalisch Jüngste Gericht in Form des neuen wunderbaren Wovenhand Albums Refractory Obdurate. David Eugene Edwards geht auf diesem Album konsequent seinen Weg weiter, den er bereits auf dem Vorgängeralbum The Laughing Stock einschlug. Die spirituelle Intensität bleibt, aber musikalisch geht es etwas lauter, etwas härter und etwas heftiger zur Sache. Bereits auf der Tour zum letzten Album konnte man beobachten, wie Mr. Edwards, der auf Bühnen bisher stets sitzend anzutreffen war, sich erhob, um die härtere Gangart seiner fiebrig-biblischen Songs um Schuld und Sühne zu unterstreichen. Und auch das neue Album namens Refractory Obdurate ist eine Offenbarung, die live voraussichtlich stehend verkündet werden wird. Wer extrem intensive und gleichzeitig fordernde Gitarrenmusik sucht, wird nach dem ersten Durchgang von Refractory Obdurate frohlockend die Auto-Repeat Taste betätigen.

Aber das musikalische Highlight der letzten Tage, sowie der kommende Sommerhit des laufenden Jahres kommt nicht aus Übersee, sondern aus heimischen Gefilden. Schnipo Schranke (Frankfurt/Hamburg) ist ein noch junges weibliches Duo, das bisher nur einer sehr übersichtlichen Fanbase durch einige charmante YouTube Videos aufgefallen sein dürfte. Mit dieser Übersichtlichkeit ist es aber nun vorbei, denn Schnipo Schranke setzen sich mit ihrem Song „Pisse“ mühelos an die Spitze (k)einer Bewegung, die ihren konservierten Status Quo in Form des 15 Songs umfassenden Samplers „Keine Bewegung!“ (Staatsakt und Euphorie) als einen verspäteten Record-Store-Day Beitrag präsentiert.

„Pisse“ ist ein Ohrwurm über einen feucht –fröhlichen Abend, der irgendwie aus dem Ruder lief und verschiedenen Aspekte einer nun nicht mehr bestehenden Beziehung ans Tageslicht befördert, in der Stil und Geschmack nicht immer einen gemeinsamen Nenner fanden. Solche Abende und Ansichten sind dem einen oder anderen sicherlich nicht unbekannt, aber niemand konnte bisher auf einen solch fantastischen Song darüber verweisen.
Und wer auf „ich kann mich verändern“- „wie hättest du mich denn gern?“ reimt, dem gehört sowieso die Zukunft, soviel ist sicher. Schnitzel mit Pommes Rot/Weiß for President!

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Marius Anatol

Hello, ich bin Marius Anatol aus Frankfurt am Main. Ich interessiere mich für Musik, IT, Medien, Politik und das Interweb. Du findest mich auch auf Google+, Twitter, Ello und Facebook.

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