Über die Lustigkeit von Hollister und den Abercrombie & Fitch Shitstorm

hollister

Wenn man in dem Frankfurter Einkaufszentrum My Zeil am Hollister Laden vorbeischaut, der zu dem amerikanischen Modeunternehmen Abercrombie & Fitch gehört, gibt es für meine Art von Humor eine ganze Menge zu lachen. Lachen kann ich dort herzlich über die Selbstinszenierung des Ladens, zu der offensichtlich gehört, dass sich dort gelegentlich so genannte Store-Models in Shorts, Flip Flops und nacktem Oberkörper auf einer Empore vor dem Laden postieren und in Türstehermanier auf die wartende Menge herunterschauen. Ich lache nicht über die Jungs an sich und auch nicht über ihre mit Sicherheit hart erarbeiteten Model-Körper, aber in solch einem Einkaufszentrum wirken diese vom Unternehmen inszenierten Auftritte eben lustig fehlplatziert. Wir sind hier nicht in Seattle am Strand, Dirk.

Herzlich lachen kann ich auch über die teilweise surreal wirkenden Schlangen junger Menschen, die sich vor diesem Laden bilden. Haha, na klar, Teenies, könnte man nun sagen. Die stehen halt gerne Schlange. Aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Denn die noch viel lustigeren Menschenschlangen bilden sich definitiv vor dem Apple Store in der Frankfurter Fressgass, wenn der Unterhaltungselektronikkonzern mal wieder ein neues Telefon auf den lange übersättigten Markt wirft. Viel lustiger deshalb, weil die Schlange dort noch deutlich länger ist und vor allen Dingen aus erwachsenen Menschen besteht, denen man normalerweise eine gewisse Vernunft attestiert. Diese scheint aber immer dann vollständig auszusetzen, wenn diese der Meinung sind, dass das erst kürzlich erworbene Telefon unbedingt sofort durch ein neues Modell ersetzt werden muss. Und zwar am Erscheinungstag. Uns zwar Morgens. Und zwar in der Schlange.

Am allerlustigsten finde ich allerdings die bei Hollister angebotenen Modeartikel, die sich für mein bescheidenes modisches Urteilsvermögen fernab von gutem Geschmack, Stil und Design bewegen und durch ihre bunten Farben und großen Aufdrucke auf mich bestenfalls albern, immer aber abschreckend wirken. Auf keinen Fall jedoch wirken sie auf mich so, als müsste man sich dafür in eine lange Menschenschlange stellen. Aber auch das ist selbstverständlich eine individuelle Geschmacksfrage.

Nun fegt seit einigen Tagen ein mittelgroßer Shitstorm über das US-amerikanische Modeunternehmen Abercrombie & Fitch hinweg, den man auch in den Kommentaren auf der Unternehmens Facebook Seite verfolgen kann. Was ist da passiert? Mike Jeffries, der Chef dieses Unternehmens, soll in einem älteren Interview angeblich gesagt haben, dass seine Kunden ebenso attraktiv sein sollen, wie sich sein Unternehmen präsentiere. Dementsprechend wolle sein Unternehmen seine Kleider an coole und gut aussehende Leute verkaufen. Weiterhin wolle sein Unternehmen sich nicht um dicke und alte Menschen kümmern, weswegen es in seinen Läden auch keine großen Größen gäbe. Dass Jeffries darüber hinaus angeblich möchte, dass hauptsächlich junge und hübsche Menschen für ihn tätig sind, ist beim Anblick des ausgewählten Personals seiner Läden keine große Überraschung.

Angesichts der Google Bildersuche, die so einige Bilder von Mike Jeffries auszuspucken weiß, scheinen solche Äußerungen allerdings etwas verblüffend. Man muss natürlich nicht selber ausgesprochen schön sein, um sich schöne Menschen zu wünschen. Und davon abgesehen liegt Schönheit immer im Auge des Betrachters. Aber es könnte natürlich auch nicht unbedingt schaden, wenn man selber wenigstens über einen kleinen Teil der Eigenschaften verfügt, die man sich von seinen Angestellten, und in seinem Fall sogar von seinen Kunden, so ausdrücklich wünscht. Wie auch immer, der Spott ist Jeffries angesichts des ein oder anderen ungünstigen Bildes jetzt schon sicher.

Wohl ausgelöst durch ein YouTube Video eines Abercrombie & Fitch Kritikers, bildete sich im Netz nun Widerstand gegen diese Einstellung Jeffries. Unter dem Hashtag #FitchTheHomeless wird sowohl in dem angesprochenen Video als auch im Netz dazu aufgerufen, Obdachlose Menschen mit Abercrombie & Fitch Kleidung auszustatten. Dies soll bewirken, dass Jeffries die Kleidung seines Unternehmens an Menschen sehen soll, die nicht seinem angeblichen Schönheitsideal entsprechen und auch ausdrücklich nicht seiner anvisierten Zielgruppe, nämlich der Zielgruppe der attraktiven Menschen und der Cool Kids. Und das dürfte Jeffries mehr treffen als man zunächst vermutet, denn angeblich hat Jeffries Unternehmen einem Darsteller einer MTV Reality-Show Geld dafür geboten, damit dieser darauf verzichtet Kleidung von Abercrombie & Fitch zu tragen, da dies rufschädigend sei. Dem US-amerikanischen Modeunternehmen scheint also tatsächlich sehr viel daran zu liegen, steuern zu können, welche Menschen seine Kleidung tragen.

Allerdings bedeutet diese Art des Widerstandes natürlich auch, dass man Obdachlose per se als weniger schöne Menschen betrachtet. Darüber hinaus instrumentalisiert man mit solchen Aktionen obdachlose Menschen für eine Kampagne, von der sie vermutlich gar nichts wissen und dementsprechend vielleicht auch kein Teil davon sein möchten. Aus diesem Grund kann man sich durchaus die Frage stellen, ob diese Kampagne nicht eigentlich deutlich alberner ist, als die Marke an sich, inklusive der Äußerungen Jeffries. Das Gegenteil von gut gemacht ist immer noch gut gemeint.

Denn letzten Endes macht Abercrombie & Fitch nichts anderes als viele andere Modeunternehmen auch, nämlich Mode für schlanke Menschen und Kampagnen mit jungen und schönen Models. Das ist selbstverständlich ihr gutes Recht. Schaut man sich Bilder von Modeschauen an, so sieht man dort nur sehr selten Menschen mit durchschnittlichen Konfektionsmaßen oder gar solchen darüber hinaus. Abercrombie & Fitch ist diesbezüglich also keine unrühmliche Ausnahme, sondern wahrscheinlich eher der Normalfall.

Mittlerweile hat sich Mike (Jeffries?) auf der Abercrombie & Fitch Facebook Seite persönlich zu Wort gemeldet um auf die massive Kritik einzugehen. Dort schreibt er, dass er glaube, dass sein kursierendes Zitat aus dem Jahre 2006 aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Außerdem würde er es bedauern, dass seine Wortwahl so interpretiert würde, dass sie zu den neuerlichen Angriffen führe. Jeffries schreibt weiterhin, dass sie gegen jegliche Art von Diskriminierung eingestellt wären, genauso wie gegen Mobbing, abfällige Charakterisierungen oder andere nicht soziale Verhaltensweisen aufgrund von Rasse, Geschlecht, Körpertyp oder anderen individuellen Merkmalen.

Was auch immer man von Jeffries Äußerungen und seiner Firmenpolitik halten mag, wie auch immer man die Mode von Abercrombie & Fitch findet, letztlich geht es nur um ein paar Klamotten, die man kaufen, es aber ebenso auch lassen kann.

Eventuell ist es also am einfachsten, wenn man die angeblichen Äußerungen Jeffries ebenso lächerlich findet, wie das allgemeine Firmengebahren und die Waren von Abercrombie & Fitch bzw. seiner Marke Hollister, die sich gerne als Marke der schönen Menschen inszeniert. Ich zumindest lache mich jetzt schon wieder kaputt, wenn ich nur an das folgende Video denke, in dem wir angeblich die “hottesten Abercrombie & Fitch Guys” sehen.

Denn irgendwie muss ich dabei immer unweigerlich an folgende sehr lustige Bewegtbilder denken (eventuell NSFW, depends on your Company): Oh, you touch my Tralala. Mmm, my Ding Ding Dong.

Dass dieses Thema allerdings nicht allerorten mit Humor gesehen und auf die leichte Schulter genommen wird, sondern vielmehr kontrovers diskutiert wird und die Gemüter erhitzt, kann man an einer Form des Protestes aus deutschen Landen sehen. Der Mannheimer Nachtclub MS Connexion schrieb gestern auf seiner Facebook Seite: “Auf Grund der aktuellen Diskriminierungen der Marke Abercrombie & Fitch bleibt der Einlass mit dieser Bekleidung ab sofort verwehrt!” Unklar ist allerdings, ob dieses Verbot auch für die Abercrombie & Fitch Marke Hollister gilt.

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Marius Anatol

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